Olympia in Peking : Fackellauf wird zum Politikum

In Peking wurde die Strecke, die das olympische Feuer zurücklegen wird, präsentiert. Aus politischen Gründen wird die Fackel aber möglicherweise einen Bogen um Taiwan machen müssen.

Peking - Das Olympische Feuer wird auf dem Weg zu den Spielen 2008 in Peking sogar auf den Mount Everest klettern. Der Fackellauf wird der längste in der Geschichte der Olympischen Spiele. Er werde mehr Menschen zusammenbringen und größere Gebiete als je zuvor abdecken, hieß es bei der feierlichen Präsentation der 137.000 Kilometer langen Route über fünf Kontinente. Der "harmonische Reise" genannte Fackellauf steht unter dem Motto "Entzünde die Leidenschaft, teile den Traum". Das rot-silberne Design der 72 Zentimeter hohen und in China entwickelten Fackel zeigt traditionelle chinesische Wolkenmuster, die "Wolken des Versprechens" genannt wurden und Glück verheißen sollen.

Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Jacques Rogge, sagte bei der Zeremonie am Millenium Monument in Peking, der Fackellauf werde "neue Träume für die Menschen überall auf der Erde schaffen". Den Aufstieg auf den 8844 Meter hohen Mount Everest wird das Olympische Feuer im Mai 2008, wenn die besten Wetterbedingungen herrschen, mit einem speziellen Fackeldesign für sauerstoffarme Luft versuchen. Schon bei der Ankunft in Peking im März 2008 wird das Olympische Feuer in einer Laterne gesichert, falls etwas schief laufen sollte.

Taiwan sperrt sich gegen die Streckenführung

Taiwan wird das olympische Feuer möglicherweise nicht erreichen. China betrachtet Taiwan als abtrünnige Provinz. Der Zwischenstopp in Taipeh wurde zwar verkündet, doch soll die Fackel danach nach Hongkong weiterreisen. Diese Route will Taiwans Regierung nicht hinnehmen, da es damit seine Souveränität herabgesetzt sieht. Taipeh bestehe darauf, "dass die Fackel aus einem Drittland nach Taiwan kommt und Taiwan in Richtung eines Drittlandes verlässt", sagte Chen Chin-tsai, der Chef des Nationalen Sportrates in Taipeh. Das wiederum dürfte Peking nach Ansicht von Beobachtern aber nicht akzeptieren, da es Taiwan als Teil Chinas betrachtet.

Auch der Fackellauf durch Tibet ist umstritten. Am Vortag hatten vier amerikanische Aktivisten am Basislager des Mount Everest dagegen protestiert. Sie beklagten, dass damit die "brutale Besetzung Tibets verschleiert" und Chinas Herrschaft über das größte Hochland der Erde anerkannt werde. Die Aktivisten hatten auf einem Banner das Motto der Spiele um die Forderung nach Unabhängigkeit Tibets erweitert: "Eine Welt, ein Traum, befreit Tibet 2008." Die vier US-Bürger wurden festgenommen. Ihr Schicksal war ungeklärt. Das Außenministerium teilte nur mit, Ausländer in China müssten die Gesetze achten. "Sie dürfen nicht in Aktivitäten verwickelt sein, die Souveränität und territoriale Integrität Chinas zu spalten", sagte der Sprecher Liu Jianchao. Die Kommunisten hatten Tibet nach ihrer Machtübernahme 1949 in Peking der Volksrepublik eingegliedert.

Start in Griechenland

Das Olympische Feuer wird zunächst von Griechenland nach Peking und dann über die alte Seidenstraße nach Almaty in Kasachstan und rund 20 andere Städte in der Welt sowie kreuz und quer durch China reisen, bevor am 8. August 2008 bei der Eröffnungsfeier der Spiele die Flamme im "Vogelnest" genannten Olympiastadion in Peking entzündet wird.

Weitere Stationen sind Istanbul, St. Petersburg, London, Paris, San Francisco, Buenos Aires, Daressalam in Tansania, Muscat in Oman, Islamabad, Mumbai, Bangkok, Kuala Lumpur, Jakarta, Canberra, Nagano in Japan, Seoul, Pjöngjang und Ho Chi Minh Stadt. Dann soll die Flamme nach dem Willen der Organisatoren in Peking die strittige Reise nach Taipeh antreten, ehe es weiter nach Hongkong, Macao und durch eine Vielzahl chinesischer Städte geht. (tso/dpa)

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