Olympia in Peking : Selbst Amnesty spielt mit

Menschenrechte in China sind Thema im Bundestag.

Benedikt Voigt

Berlin - Der chinesische Botschafter war erst gar nicht gekommen. „Aus Termingründen“ ließ sich Canrong Ma entschuldigen, doch seine Absage verwunderte kaum, hatte doch bei der gemeinsamen Anhörung des Sport- und Menschenrechtssausschusses des Bundestages in dieser Woche ein für ihn heikles Thema auf der Agenda gestanden: die Olympischen Spiele in Peking und die Menschenrechte. Doch anschließend fielen die meisten Stellungnahmen der China-Experten aus Sport, Wissenschaft und Journalismus derart chinafreundlich aus, dass das Sportausschussmitglied Swen Schulz (SPD) feststellte: „Wenn der Botschafter das gewusst hätte, wäre er vielleicht doch ganz gerne gekommen.“

Kein einziger der anwesenden Experten befürwortete einen Boykott der Spiele aufgrund der anhaltenden Menschenrechtsverletzungen in China. Sogar Dirk Pleiter, China-Experte von Amnesty International, erklärte: „Die Spiele werden in China sehr stark befürwortet, da wollen wir nicht als Spielverderber dastehen.“ Seine Organisation befürchtet im Vorfeld der Spiele verschärfte Zensur der chinesischen Medien, Maßnahmen gegen soziale Randgruppen wie Obdachlose und verstärkte Repressionen gegen Bürgerrechtler. „Ich bin skeptisch, dass über die Spiele in Peking ein Wandel erreicht werden kann“, sagt Pleiter. Die Experten waren sich einig, dass sich in den letzten Jahren neben vielen schlimmen Schicksalen auch Fortschritte feststellen lassen: Verbesserung der Arbeitsbedingungen für ausländische Journalisten, eine neue Instanz zur Überprüfung von Todesurteilen, neue Arbeiterrechte.

Welche Rolle die Olympischen Spiele bei der Verbesserung der Menschenrechte in China spielen können, bleibt allerdings weiterhin umstritten. Für den Sportsoziologen Helmut Digel taugt der Sport gegenwärtig nicht als Vorbild für Menschenrechtsfragen. „Man muss skeptisch sein, ob der Sport in seiner aktuellen Verfassung überhaupt hilfreich sein kann – mit seinen eigenen Verbindungen zu Korruption, Doping und Menschenrechtsverletzungen.“ Benedikt Voigt

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