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Olympia in Sotschi : Deutsche Biathleten holen Staffel-Silber

Nach dem Dopingfall Evi Sachenbacher-Stehle gewinnen die deutschen Biathleten im letzten Olympia-Rennen in Sotschi Staffel-Silber. "Es war die beste Antwort, die wir geben konnten", sagte Arnd Peiffer.

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Im Zielsprint zog Schempp gegen den russischen Schlussläufer Anton Schipulin den Kürzeren. Foto: dpa
Im Zielsprint zog Schempp gegen den russischen Schlussläufer Anton Schipulin den Kürzeren.Foto: dpa

Eine Stunde nach dem großen Befreiungsschlag überkamen Arnd Peiffer plötzlich Zweifel an der eigenen Zurechnungsfähigkeit. Ebenso wie sein Teamkollege Erik Lesser hat der Niedersachse für die 50 Kilometer bei den Langläufern heute gemeldet – und nun bekannte Peiffer, mit dem Staffel-Silber der Biathleten in der Hand: „Auf der letzten Runde habe ich mich auch gefragt, warum ich mir das antue.“

Aber, meinte Peiffer gutgelaunt: „Zwei Langläufer waren krank, also waren Plätze frei. Es ist doch cool, da dabei zu sein – als Biathlet. Und das Feiern verschieben wir auf Sonntag, das verkraften wir.“ Verdaut hatten er und die Mitstreiter Lesser, Daniel Böhm und Simon Schempp offenbar auch den schwarzen Freitag mit dem Dopingfall Evi Sachenbacher-Stehle. „Silber war die beste Antwort, die wir geben konnten“, betonte Peiffer, der beim Abendessen am Freitag Besuch von Martin Fourcade bekommen hatte.

Der zweifache Olympiasieger sei zu ihnen an den Tisch gekommen und habe gesagt, er glaube nicht, dass die deutsche Männerabteilung zu verbotenen Mitteln greife. „Das war ein starker Zug von ihm. Aber er kennt ja unsere Leistungen seit Jahren und weiß, dass da eine Leistungsentwicklung ist“, sagte Peiffer. Lesser fügte hinzu: „Er hat gesagt, er hoffe, dass es uns gut gehe, und dass keiner im französischen Team glaube, dass bei uns was pfuschig ist. Vor so viel Sportlichkeit kann ich nur den Hut ziehen.“

Silbermedaille als Balsam für die Biathlon-Seele

Sportlich bestens in Schuss zeigten sich tags darauf die deutschen Biathleten. Mit nur zwei Nachladern wies das DSV-Quartett die mit Abstand beste Quote im gesamten Feld auf, war vom Start weg in der Spitzengruppe dabei. Vorm Zieleinlauf lieferte sich Schlussläufer Schempp ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Anton Schipulin. Am Ende musste der Schwabe den Russen aber ziehen lassen. „Auf der Schlussrunde habe ich die Initiative ergriffen, damit die Österreicher nicht mehr herankommen. Dafür habe ich im Zielspurt gebüßt“, erklärte Schempp, betonte jedoch: „Wir sind überglücklich über Silber.“

Vor allem nach dieser Vorgeschichte, auf die sein Chef verwies. „Wenn man an gestern denkt“, sagte Mark Kirchner, „an diesen desaströsen Tag, der da über uns niedergegangen ist. Dass wir uns danach wieder gefangen haben, da ist diese Silbermedaille wahrer Balsam auf alle geschundenen Seelen.“ Erik Lesser hatte den normalerweise sehr kontrollierten Bundestrainer dabei als Wiederholungstäter erwischt. „Der Mann hatte heute noch mal Tränen in den Augen“, sagte der Silbermedaillengewinner im Einzel. „Und das ist für jeden Sportler einer deutschen Mannschaft das Größte, was er erreichen kann.“

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Einen großen Anteil an Kirchners feuchten Augen hatte Arnd Peiffer, der auf seinen 7,5 Kilometern 18 Sekunden auf Norwegens Legende Ole Einar Björndalen wettmachte. „Heute hab’ ich mich wirklich super gefühlt. Da gab’s nichts zu mäkeln“, freute sich der Sprintweltmeister von 2011, der aber auch berichtete: „Am Freitag war bei uns eine Stimmung wie auf einer Beerdigung. Aber anders als die Mädels hatten wir ja eine Nacht, um darüber zu schlafen und uns zu sortieren.“

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