Olympia : Nicht grün, schmutzig!

Friedhard Teuffel über das vorläufige Ende der Reformen im IOC.

Friedhard Teuffel

So wie gedopte Sportler ihre Medaille zurückgeben müssen, so sollte jetzt auch das Internationale Olympische Komitee einen Preis zurückgeben. Im April war das IOC vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen als „Champion of the Earth“ ausgezeichnet worden, weil sich das IOC auf dem Weg zurück zur Natur befände. Dieser Titel schien auch ein bisschen Vorschuss zu sein für die Spiele 2008 in Peking, damit die Luft dort ein bisschen besser wird. Doch diesen Titel hat das Komitee nun verspielt mit der Vergabe der Winterspiele 2014 an Sotschi. Dort muss alles erst noch gebaut werden: Bobbahn, Skisprunganlage, Eisbahnen. Das IOC verlangt von seinen Bewerbern grüne Spiele, aber nun sieht alles nach einem schmutzigen Geschäft aus.

Mit dieser Entscheidung deutet sich auch das Ende einer kurzen Hoffnungsperiode des IOC an, der Amtszeit des Präsidenten Jacques Rogge. Mit ihm hatte sich in der Weltregierung des Sports einiges zum Besseren verändert: Rogge hatte den Gigantismus der Spiele ebenso einzudämmen versucht wie das Doping. Er wollte Olympia wieder sportlicher machen, also unabhängiger von Politik und Wirtschaft. Über alldem stand der Wille, dem IOC und damit dem Sport die Glaubwürdigkeit zurückzuerkämpfen.

Nun steht Rogge als großer Verlierer da, denn zwei seiner Prinzipien scheinen von den Mitgliedern verletzt worden zu sein: die Unabhängigkeit und die Nachhaltigkeit. Der Mehrheit des IOC waren große Worte des russischen Präsidenten Putin wichtiger als umweltfreundliche Spiele. Rogge hatte Pyeongchang gewollt oder Salzburg. Wenn er so hart durchgreifen würde wie sein Vorgänger Juan Antonio Samaranch, hätte Sotschi niemals die Spiele bekommen. Doch Entscheidungen gegen seinen Willen sind offenbar der Preis, den Rogge für mehr Transparenz und mehr Demokratie zahlen muss. Rogges Reformkurs ist unterbrochen, vielleicht ist er sogar zu Ende.

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