Sport : Olympia: Noch sind Preisgelder tabu

Ernst Podeswa

Für Hammerwerfer Heinz Weis lag die Sache auf der Hand. "Der Dollar steht im Moment sehr gut", sagte der Weltmeister von 1997 und begründete damit, weshalb er auf der Rückreise von Sydney noch einen Umweg in Kauf nahm. Bei den Spielen in der Qualifikation hängen geblieben, wollte der 37-Jährige beim Grand-Prix-Finale im Scheichtum Katar seine Karriere mit einem Trostpflaster beschließen. Das gelang: Für knapp 78 m und Rang fünf durfte der Altmeister 8000 US-Dollar kassieren. Rund 17 000 Mark für eine Durchschnittsweite - davon können Werfer oft nur träumen.

Weis gehörte eher zu den geringer Verdienenden. Dennoch signalisiert sein Beispiel einen gravierenden Wandel in der olympischen Kernsportart Leichtathletik. Hier galt der Amateurstatus als Tabu. Als Armin Hary nach Olympiagold 1960 in Rom ein Startgeld von etwa 250 DM annahm, wollten ihn Funktionäre lebenslang sperren. Es wurde ein Jahr Wettkampfabsenz für Deutschlands einzigen 100-m-Olympiasieger. Noch härter waren vor ihm Finnlands Langlaufheld Paavo Nurmi und US-Zehnkämpfer Jim Thorpe bestraft worden.

Heutzutage belohnt der Leichtathletik-Weltverband IAAF die Athleten so fürstlich, dass die Relation Leistung/Bezahlung nicht mehr stimmt. Das liegt nicht an den Leichtathleten, sondern an der IAAF. Ein Grand-Prix-Finale nach der Golden-League-Serie, nach Grand-Prix-Sportfesten, dem Europapokal und Olympischen Spielen macht keinen Sinn. Es sei denn, man möchte den olympischen Hauptdarstellern ihre Auftritte nachträglich honorieren - weil man das Tabu offizieller Preisgelder bei Olympia (noch) scheut.

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