Olympia : Pingpong in Peking

Das IOC und Chinas Regierung duellieren sich.

Benedikt Voigt

PekingZuletzt hatte sich in Peking ein virtuelles Tischtennisspiel entwickelt. Jacques Rogge, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), hatte den Ball ins Spiel gebracht, als er die chinesische Regierung ermahnte, versprochene Verbesserungen bei Menschenrechten und im Pressegesetz einzuhalten, und einen Dialog in der Tibetkrise wünschte. Kurze Zeit später retournierte das chinesische Außenministerium, hart und aggressiv. Das IOC solle sich an seine eigene Charta halten und sich nicht einmischen. Somit landete der Ball wieder auf Rogges Seite. Dieser sagte gestern: „Erklärungen aus dem Außenministerium möchte ich nicht kommentieren.“ Ende des Matches.

Wer gewonnen hat, wird sich wohl erst in einiger Zeit klären lassen. IOC-Vizepräsident Thomas Bach zeigte sich zum Abschluss der Sitzungen des IOC-Exekutivkomitees in Peking zufrieden mit der Darbietung seines Präsidenten. „Ich glaube nicht, dass man auf jede Äußerung eines Sprechers eines Ministeriums reagieren muss“, sagte er. Wichtiger sei gewesen, dass Jacques Rogge persönlich mit dem chinesischen Premierminister Wen Jiabao gesprochen habe. Über Inhalte des Gesprächs wollte Rogge sich nicht äußern.

Als wichtigste Errungenschaft der vergangenen Sitzungswoche beurteilte Rogge, dass alle 205 Nationalen Olympische Komitees an den Spielen in Peking teilnehmen werden. Außerdem sicherte er den Athleten das Recht auf freie Meinungsäußerung zu. Gestern präzisierte Rogge. „Uns ist von den chinesischen Behörden erklärt worden, dass es kein Problem gibt, wenn sich der Athlet an die chinesischen Gesetze hält“, sagte der IOC-Präsident, „wenn ein Athlet von den Medien interviewt wird und seine Kritik an bestimmten Dingen ausdrückt, dann wird das keine Konsequenzen haben.“

Sportliche Nachrichten wie die Verschärfung der Dopingtests für Peking gingen in der vergangenen Woche unter. Stattdessen sprach Rogge sogar von einer Krise. Eine Situation, die wiederkehren könnte, wenn die Winterspiele 2014 in Sotschi stattfinden werden? DOSB-Generaldirektor Michael Vesper sagte: „Ich freue mich erstmal auf die Spiele in London und Vancouver.“ Benedikt Voigt

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