Olympia-Ruderin : Drygalla distanziert sich von rechter Szene

Ruderin Nadja Drygalla meldet sich zu Wort. Sie selbst lehne rechtes Gedankengut ab, wie sie in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa sagte. Ihre Sportlerkarriere will sie nicht an den Nagel hängen.

Die deutsche Ruderin Nadja Drygalla, aufgenommen am 18.09.2011 bei der Ruder-EM im bulgarischen Plovdiv.
Die deutsche Ruderin Nadja Drygalla, aufgenommen am 18.09.2011 bei der Ruder-EM im bulgarischen Plovdiv.Foto: dpa

Wie haben Sie die vergangenen Tage erlebt?

Mir geht es nicht gut, die letzten Tage waren ziemlich anstrengend und ziemlich überraschend.

Wer ist zuerst in London an Sie herangetreten?

Am Donnerstag habe ich die ersten Anrufe von Medien und vom DRV-Sportdirektor Mario Woldt bekommen. Danach bin ich mit ihm zu Herrn Vesper vom DOSB gefahren.

Sind Sie dort mit Vorwürfen konfrontiert worden?

Es waren keine Vorwürfe. Er hat mir gesagt, dass sie Kenntnis von meinem privaten Umfeld erhalten haben und hat gefragt, wie das zustande kommt. Herr Vesper wollte wissen, wie die derzeitige Situation mit meinem Freund Michael Fischer ist und wie ich zu ihm stehe. Im Laufe des Gesprächs und einer Beratung habe ich von mir aus den Vorschlag gemacht, dass ich aus dem olympischen Dorf abreise. Es war meine Entscheidung.

Weshalb haben Sie sich dazu entschieden?

Ich wollte einfach die Belastung von der Mannschaft nehmen, die zum Teil immer noch im Wettkampf steckte und sich darauf konzentrieren sollte. Ich wollte nicht durch den Rummel um meine Person auch noch andere Leute belasten.

Wie sehr hat Sie die anschließende Welle überrascht?

Sehr. In welchem Maße das alles kam, hatte ich nicht erwartet, weil mein Freund seit Mai kein Mitglied in der NPD mehr ist und persönlich mit dieser ganzen Sache gebrochen und sich verabschiedet hat. Ich hielt das Thema für mich persönlich schon vor den Olympischen Spielen für erledigt.

Ruderin Nadja Drygalla bei einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa in ihrem Heimatverein, dem Olympischen Ruder-Club Rostock (ORC).
Ruderin Nadja Drygalla bei einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa in ihrem Heimatverein, dem Olympischen Ruder-Club...Foto: dpa

Distanziert sich Ihr Freund, Michael Fischer, auch von den Nationalen Sozialisten Rostocks?

Ja, auch von denen.

Welchen Anteil hatten Sie an dieser Entscheidung?

Ich denke, dass ich schon einen ziemlichen Anteil habe. Aber dieser Austritt ist ja nicht alles. Diesen Schritt, sich abzuwenden und von dem Gedankengut zu lösen, muss man selber wollen. Es ist nicht ein Schritt von heute auf morgen, aber ihm ist von sich aus bewusst geworden, in welche Richtung er gehen möchte, wie er in geregelten Bahnen weitermachen will.

Video: Nadja Drygalla reist von Olympia ab

Inwiefern haben Sie das Thema zu Beginn Ihrer Beziehung mit ihm besprochen?

Das Ganze kam schleichend. Als wir damals vor viereinhalb, fünf Jahren zusammenkamen, war das noch kein Thema. Es fand seinen Höhepunkt, als er in die Partei eingetreten ist und für die NPD kandidiert hat. Ich muss ganz klar sagen, dass unsere Beziehung davon sehr stark belastet wurde und ich in vielen Diskussionen klar gesagt habe, dass ich diese Meinung nicht teile und da nicht hinter stehe. Als es seinen Höhepunkt fand, haben wir keine fröhliche Beziehung mehr geführt, sie hat unter der starken Belastung gelitten. Es gab auch den Gedanken an Trennung. Ich bin froh, dass ich vor den Olympischen Spielen noch einmal klar gesagt habe, dass es so nicht
weiter laufen kann.

Wie haben Sie zu Beginn die rechte Ausrichtung Ihres Freundes erlebt?

Ich war 18 oder 19, da habe ich nicht so viel von mitbekommen, von Demonstrationen und so weiter.

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