Olympia-Ruderin : Drygallas Freund ist offenbar aus NPD ausgetreten

Der Lebensgefährte von Nadja Drygalla ist NPD-Angaben zufolge kein Mitglied der Partei mehr. Doch ein Beobachter der rechtsextremen Szene glaubt nicht, dass Michael Fischer ausgestiegen sei.

Michael Fischer sei Ende Mai aus der NPD ausgetreten, erklärte Mecklenburg-Vorpommerns stellvertretender NPD-Landesvorsitzender David Petereit am Montag auf dapd-Anfrage. Zu dem Grund für den Austritt äußerte sich Petereit nicht. Darüber hinaus beantworte er „grundsätzlich keine Fragen zu Angelegenheiten unsere Mitglieder betreffend“.

Drygalla hatte am vergangenen Donnerstag vorzeitig das Olympische Dorf verlassen, nachdem es Gerüchte über ihre Partnerschaft mit Fischer und Kontakte zu Rechtsextremisten gegeben hatte. Drygalla selbst hat inzwischen erklärt, ihr Freund habe sich aus der Szene verabschiedet.

Die Internetplattform „Endstation Rechts“ hat aber mittlerweile Zweifel geäußert, dass Fischer sich vom Rechtsextremismus losgesagt hat. Ein Redakteur der
Internetplattform, Oliver Cruzcampo, sagte, Fischer sei zwar bereits seit mehreren Wochen nicht mehr öffentlich in Erscheinung getreten. Alle Indizien sprächen aber gegen einen Ausstieg aus der Szene.

So sei Drygallas Lebensgefährte noch am 1. Mai bei einer Demonstration als Fotograf aufgetreten und habe Gegendemonstranten fotografiert. Zudem sei auf einer Internetseite, die von NPD-Politiker Petereit betrieben wird, am 30. Juni der letzte Blogeintrag unter dem Namen Michael Fischer veröffentlicht worden. Unter einem anderen Artikel mit diesem Namen sei sogar ein Foto Fischers abgebildet. In dem Blogeintrag kritisiert der Autor unter anderem öffentliche Zuschüsse für den Bau einer Moschee in Rostock und fordert, dass „Gelder der Stadt umgehend und ausschließlich für deutsche Interessen eingesetzt werden“.

„Endstation Rechts“ ist eine von den Jusos Mecklenburg-Vorpommern ins Leben gerufene Informationskampagne. Die Homepage beschäftigt sich mit der NPD im Landtag und der gesamten rechtsextremen Szene. Cruzcampo wies zudem darauf hin, dass es in Internetforen der Szene bislang keine Reaktionen auf den Ausstieg gegeben hat. „Wenn sich jemand abwendet, wird in den bekannten Portalen normalerweise nachgetreten und es kommt meist auch zu indirekten Gewaltaufrufen“, sagte Cruzcampo, der ein enger Beobachter der Szene in Mecklenburg-Vorpommern ist.

Auch der angebliche Abschied von der Kameradschaft Nationale Sozialisten Rostock (NSR) sei schwer zu beurteilen, aber eher unwahrscheinlich, sagte Cruzcampo. Fischer sei der Kopf des aus fünf bis zehn Mitgliedern bestehenden harten Kerns der Organisation. Die NSR habe zudem ein hohes Gewaltpotenzial. Es habe immer wieder Attacken in Rostock gegeben, hinter denen NSR-Mitglieder vermutet würden. Allerdings sei dies in den seltensten Fällen nachweisbar. Die Polizei habe aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes bisher nie einen Namen genannt, wenn es eine Vermutung in Richtung NSR gab.

Das Innenministerium von Mecklenburg-Vorpommern wusste nach eigenen Angaben seit etwa einem Jahr von Kontakten Drygallas in die rechtsextremistische Szene.

Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) hat zu mehr Nachdenklichkeit im Fall Drygalla aufgerufen. Er freue sich über Äußerungen der Sportlerin, mit denen sie sich unmissverständlich von rechtsextremem Gedankengut distanziert habe, sagte de Maizière am Montag auf einer Pressekonferenz im Deutschen Haus in London.

Auch warf de Maizière kritische Fragen auf: „Wo liegen eigentlich die Grenzen? Steht es uns als Öffentlichkeit wirklich zu, den Freundeskreis von Sportlerinnen und Sportlern zu screenen und zu gucken, was da los ist? Müssen wir von ihnen verlangen, offenzulegen, mit wem sie befreundet sind, was sie denken?“ Wenn der Fall Drygalla Anlass sei, etwas behutsamer mit dem Privatleben von Sportlern umzugehen, sagte de Maiziere, „wäre das eine gute Mahnung“.

Video: Olympia: Ruderin Nadja Drygalla abgereist

Der Minister sagte, er wünsche sich, dass nun Ruhe in die Debatte komme. Wenn es von Drygalla einen Antrag auf Aufnahme in die Sportfördergruppe der Bundeswehr gäbe, würde man ihn prüfen, sagte de Maizière, „aber in Ruhe und nicht in der Atmosphäre der letzten Tage“.

(dapd)

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