Sport : „Olympia schaffen sie“

Ex-Nationalspielerin Bianca Urbanke-Rösicke über die Handball-WM und Nationaltrainer Jensen.

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Frau Urbanke-Rösicke, wissen Sie, wie alt Ihr damaliger Trainer Lothar Doering war, als Sie 1993 bei der Handball-Weltmeisterschaft in Norwegen den bis heute letzten WM-Titel für Deutschland gewannen?

Ganz genau weiß ich es nicht, aber ich schätze so um die 40, also ziemlich jung für diese Zeit. Damals haben fast alle Nationen auf erfahrene Trainer gesetzt.

Der Däne Heine Jensen, der seit März die DHB-Frauen betreut, ist nun nicht nur der erste Ausländer, der dieses Amt je bekleidet hat, sondern mit 34 Jahren auch genau so alt wie seine älteste Feldspielerin.

Das wäre zu meiner Zeit unvorstellbar gewesen, insbesondere in der DDR. Da musste man als Trainer einfach ein gewisses Alter haben, um akzeptiert zu werden. Glücklicherweise haben sich die Zeiten geändert. Ein guter Trainer zeichnet sich schließlich nicht durch sein Geburtsdatum, sondern durch seine Arbeit aus. Ich begrüße es, dass ein junger Mann eine solche Chance erhält, das kann dem deutschen Frauen-Handball nur gut tun.

Welche Chancen räumen Sie der deutschen Mannschaft bei der WM in Brasilien ein? Deutschland muss mindestens Platz sieben erreichen, um sich die Chance auf Olympia zu erhalten.

Es muss natürlich das große Ziel sein, sich für das Olympia-Ausscheidungsturnier zu qualifizieren. Ich bin davon überzeugt, dass die Mannschaft das schafft, auch wenn sie nach der Absage von Grit Jurack leider nicht in Bestbesetzung spielen kann. Auch Nadine Krause wird nach ihrer Sprunggelenksverletzung wohl noch ein bisschen Anlauf brauchen.

Zum Auftakt trifft Deutschland am Samstag gleich auf Norwegen, den wohl schwersten Gruppengegner. Vorteil oder Nachteil?

Ich habe kürzlich mit Bekannten in Norwegen gesprochen, die ganz begeistert von ihrer Frauen-Nationalmannschaft sind – das wird eine schwere Aufgabe. Andererseits müssen auch die Norwegerinnen erst ins Turnier finden. Basierend auf meinen Erfahrungen sage ich: Starke Gegner spielt man am besten zu Beginn eines Turniers.

Gibt es einen großen Favoriten – eine Mannschaft, die man auf dem Weg zum Titel schlagen muss?

Vermutlich Russland. Zuletzt haben die Russinnen drei WM-Titel in Folge geholt und ihre schwächeren Jahre nach dem Fall der Mauer vergessen gemacht. Nachdem das riesige sowjetische Reich zerfallen war, hatte das auch Auswirkungen auf den Handball. Mittlerweile profitiert der russische Verband wieder von der Größe des Landes. Landesweit werden explizit große Mädchen gesucht, die ihren Gegnerinnen später physisch derart überlegen sind, dass man nichts dagegen tun kann.

Das Gespräch führte Christoph Dach.

Bianca Urbanke-Rösicke, 44, bestritt bis 2005 für Deutschland 203 Handball-

Länderspiele. Heute treffen die deutschen Frauen bei der WM auf Norwegen (20 Uhr, live bei Sport1).

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