OLYMPIA : Wunderanzug oder Wunderdroge?

Die Rekordflut wirft die Frage nach der Sauberkeit des Schwimmsports auf

Andreas Morbach[Köln]

SERBIEN

Hertha überdenkt Abstellung Kacars Der Fußball-Bundesligist Hertha BSC will den 21 Jahre alten Mittelfeldspieler Gojko Kacar möglicherweise doch für Serbien spielen lassen. Nach dem Brief von Fifa-Präsident Joseph Blatter, der die Klubs zur Abstellung ihrer Spieler unter 23 Jahren verpflichtet hatte, will Hertha den Schiedsspruch des Internationalen Sportgerichtshofes abwarten. Tsp

CHINA

Tumulte bei Ticket-Verkauf

Beim Verkauf der letzten Karten in Peking ist es zu tumultartigen Szenen gekommen. An einer von mehr als 1000 Kaufinteressenten belagerten Verkaufsstelle wurden Journalisten von der Polizei an Aufnahmen gehindert. Ein Kameramann aus Hongkong wurde von der Polizei abgeführt und aufgefordert, seine Aufnahmen zu löschen. Später wurde er wieder freigelassen. Auch an anderen Verkaufsstellen gab es Rangeleien, an einer marschierten sogar Soldaten auf. dpa

Gastgeber stellt größte Mannschaft

China schickt bei den ersten Olympischen Spielen auf heimischem Boden das größte Team seiner Geschichte auf Medaillenjagd. Am Freitag stellte das nationale chinesische olympische Komitee das 639-köpfige Team für die Spiele vor. Chinas Athleten treten in allen 28 olympischen Sportarten an. Das chinesische Team ist damit auch das größte der Spiele vor den USA mit 596 und Russland mit 470 Athleten. Deutschland wird mit 436 Sportlern vertreten sein.dpa

Die Aufregung um die positive Dopingprobe der Goldmedaillenaspirantin Jessica Hardy hatte sich kaum gelegt, da ereilte das US-Schwimmteam schon der nächste Schock. Kurz vor dem gestrigen Abflug der Mannschaft ins vorolympische Trainingslager in Singapur machte die Nachricht von einer seltenen Blutkrankheit des 58 Jahre alten Trainers Michael Lohberg die Runde. Der Coach der amerikanischen Freistilspezialistin Dara Torres und der deutschen Brustschwimmerin Anne Poleska, der eigentlich mit nach Asien reisen sollte, leidet unter aplastischer Anämie – und spricht davon, dass er nach Auskunft der Ärzte „vielleicht nur noch Wochen oder Tage“ zu leben habe.

„Ich kann nicht mit Worten beschreiben, wie ich mich fühle“, sagte Torres, die bei der Nachricht in Tränen ausgebrochen war. Die 41-Jährige hatte sich Anfang des Monats im fortgeschrittenen Schwimmeralter zum fünften Mal für Olympia qualifiziert. Die Tochter aus reichem Hause umwabern jedoch schon seit einiger Zeit Dopinggerüchte. Immerhin kam Torres nach einer sechsjährigen Pause nach den Spielen in Sydney zu ihren erstaunlichen Zeiten.

Die Schwimmerin führt vor allem eine spezielle Stretch-Methode als Grund für ihr wundersames Comeback an – und liegt damit ganz auf Linie mit Experten wie dem Norweger Örjan Madsen. Der Chef der deutschen Schwimmer macht eine deutlich verbesserte Trainingssteuerung, diverse Regeländerungen wie etwa bei den Wenden, oder – zumindest teilweise – die neuen Rennanzüge für die jüngste Weltrekordflut verantwortlich. In diesem olympischen Jahr wurden bereits um die 50 Bestmarken gezählt, einige darunter weisen exorbitante Zeitsprünge auf.

Da wird, bei aller Wissenschaftsgläubigkeit, auch ein Örjan Madsen stutzig. Schließlich wird der Schwimmsport nicht erst neuerdings, sondern schon seit einem knappen Jahrzehnt zuverlässig mit neuen Bestzeiten überflutet. Etwa bei der letzten WM im Frühjahr 2007 in Melbourne: Auch da purzelten munter die Rekorde. Erst nachher wurde Kritik wegen der nachlässigen Kontrollen vor und während der Titelkämpfe laut.

Wirklich abschreckend wirkt die Anti-Doping-Politik im Schwimmen jedoch nicht. Madsen fordert deshalb: „Wir brauchen mehr unangemeldete und cleverere Methoden. Außerdem muss, wenn es einen Verdacht gibt, häufiger und in kürzeren Abständen kontrolliert werden.“

Die 21 Jahre alte Brustspezialistin Jessica Hardy, die im Juli bei den US-Trials positiv auf das Asthma-Präparat Clenbuterol getestet worden war, bestreitet erst einmal jedes Dopingvergehen und legte Einspruch ein. Was nichts an dem Verdacht ändert, dass mehr als ein Schwimmer nicht nur die Hilfe von High-Tech-Badeanzügen, sondern auch von Dopingmitteln in Anspruch nimmt. So berichtete die australische Schwimmerin Elka Graham schon vor neun Monaten von einem Teamkollegen, der ihr unmittelbar vor den Athener Spielen 2004 ein Dopingmittel angeboten habe. Und der fünffache amerikanische Olympiasieger Gary Hall Junior sagte vor seiner gescheiterten Qualifikation für Peking im Juli: „An den neuen Anzügen ist wohl wirklich etwas dran. Aber wer nicht glauben will, dass in diesem Sport gedopt wird, ist ein Narr.“

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