Sport : Olympia: Ziel 2004 in Athen: dritter Platz

Ernst Podeswa

Deutschlands erfolgreichste Olympiakämpferin aller Zeiten mit nunmehr sieben Goldmedaillen hat es gefordert. Der medaillenreichste Sportler des deutschen Teams in Australien mit zwei Goldmedaillen sah es nicht anders. "Der Spitzensport in Deutschland geht den Bach runter, wenn es so weitergeht. Die Politik muss sagen, ob man überhaupt noch Spitzensport in unserer Gesellschaft will." Die Kanutin Birgit Fischer und der Bahnradfahrer Robert Bartko haben ihre Eindrücke in Sydney fast gleichlautend formuliert und dabei stellvertretend für viele Augenzeugen der 27. Sommerspiele gesprochen.

Eine Antwort hat es am Dienstagabend im "Haus des Sports" in Frankfurt (Main) gegeben. "Unsere Zielvorgabe für Athen 2004 heißt eindeutig: Ja, wir stellen uns dem Wettbewerb und wollen den dritten Rang in der Nationenwertung zurückerobern", sagt Ulrich Feldhoff, Vorsitzender des Bundesvorstandes Leistungssport (BL) im Deutschen Sportbund (DSB). Dabei ginge es aber nicht primär um die Rangfolge nach Goldmedaillen, sondern nach der Medaillenzahl insgesamt. In Sydney war das nach Köpfen mit 426 drittstärkste deutsche Aufgebot mit lediglich 13 Goldmedaillen auf den fünften Rang gegenüber Atlanta 1996 abgerutscht und haarscharf an einem Desaster mit Position neun oder zehn vorbeigeschrammt. Das Bekenntnis des BL-Vorstandes inklusive des DSB-Präsidenten Manfred von Richthofen pro Leistungssport dürfte Fischer/Bartko zufrieden stellen, denn es ist gewiss mit dem für den Spitzensport zuständigen Bundesinnenministerium (BMI) abgestimmt.

Anders dürfte es hingegen bei vom Gremium, zu dem der frühere Hochspringer Ralf Sonn, der Sydney-Missionschef Klaus Steinbach oder der Volleyball-Präsident Werner von Moltke gehören, beschlossenen Änderungen auf dem Weg zu den Spielen 2004 in Athen sein. So soll die Position der wichtigsten Partner der Olympiakämpfer, der Trainer, aufgewertet werden. "Wir haben und sind in der Trainerfrage blockiert worden und haben fast eine ganze Trainergeneration verloren", sagte Feldhoff. Die verlorene Generation hängt mit Beamtenverträgen aus der Zeit vor 1998 zusammen. Doch von "modernen Erfordernissen nicht mehr entsprechenden Bundestrainern" will sich der DSB "sozialverträglich" und mit Hilfe eines Abfindungsfonds trennen. Bis zu 20 Stellen von Bundestrainern stünden zur Diskussion, wie der Leitende BL-Direktor Armin Baumert informierte, der kürzliche Aussagen gegen Sportschulen in den alten Bundesländern bei der Gelegenheit korrigierte. Seine Vorgesetzten Richthofen/Feldhoff betonten nochmals, dass es "zu dieser Form der entideologisierten Sportschulen aus DDR-Zeiten keine Alternative gibt, um in der Reihe der stärksten Sportnationen zu verbleiben". Deshalb würden rund vier Millionen Mark aus der Förderung von nie in der Spitze ankommenden Kadersportlern in die Nachwuchsausbildung sowie zur besseren Entlohnung (vor allem über Leistungsprämien) von Trainern umgeschichtet.

Die finanziellen Möglichkeiten dazu ergäben sich auch aus einer Reduzierung oder Zusammenlegung von "bis zu sechs Olympiastützpunkten" von bisher 20 existierenden. Dies solle ab 2002 wirksam werden. Auch die Effizienz der rund 200 Bundesstützpunkte würde geprüft mit der Absicht einer Verringerung. Da werde es Widerstände geben, "aber", so von Richthofen, "wir wollen hart bleiben und haben die einmalige Chance, nach erkennbaren Pannen einen Schritt nach vorn zu tun". Dem Berliner, der froh war, dass nach auch kontroversem Meinungsaustausch seine Vorlagen durchweg bestätigt worden sind, schwebt die Installierung von "Leistungssport-Koordinatoren" in den Verbänden vor. Feldhoff kündigte an, dass der BL auch stärkeren Einfluss auf die Leitung in den Verbänden durchsetzen will. Das habe nichts mit Zentralismus zu tun, sondern sei eine Maßnahme, um bei Fehlentwicklungen eingreifen zu können.

Gestern führte von Richthofen mit dem BMI Gespräche zu den Themen Sportschulen und Abfindungen für Trainer. Am Dienstagvormittag war er Gast der Opel-Stiftung bei der Ehrung der "Die stillen Sieger" in der Frankfurter Alten Oper, wo Skispringer Jens Weißflog in der Kategorie der "Unvergessenen Meister" ausgezeichnet wurde.

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