Olympische Spiele : In London drängt die Zeit

16.07.2012 22:34 Uhrvon

Nur noch wenige Tage bis zum Beginn der Olympischen Spiele in London. Sicherheitspannen, Baustellen und Nachbesserungen bestimmen die Berichterstattung. Wie gut sind die Organisatoren im Zeitplan?

Wie sicher sind die Spiele?

Wie sicher sind die Spiele?

Seit dem Terroranschlag vom 7. Juli 2005 – ein Tag, nach dem London Olympiastadt wurde – ist London auf der Hut. Das olympische Sicherheitsbudget wurde Jahr für Jahr erhöht – nach einigen Berechnungen liegen die Kosten bereits bei einer Milliarde Pfund. Sicherheitsbehörden betonen, es gebe keine spezifische Drohung gegen die Spiele. Aber vor zwei Wochen wurden in London sechs Personen wegen angeblicher Terrorverschwörung verhaftet und inzwischen angeklagt.

An spektakulären, sogar bedrohlich wirkenden Vorkehrungen ist kein Mangel. HMS Ocean, einer der größten Kreuzer der Royal Navy, ankert seit Freitag in der Themse in der Nähe des Olympiageländes. Er dient als Hubschrauber Landeplatz und Kommandozentrale. Auf Dächern rund ums Olympiagelände wurden Luftabwehrraketen stationiert, Typhoon-Jets stehen auf Luftwaffenstützpunkten in Südengland in Bereitschaft. Notdienste wurde immer wieder auf ihre Tauglichkeit hin getestet und Notfallpläne überarbeitet. Bei einer Großübung im Mai simulierten 2500 Sicherheitsbeamte eine Terrorattacke auf die U-Bahn.

Trotzdem ist an Berichten von Sicherheitsfehlern und Schwachstellen kein Mangel. Seit die private Sicherheitsfirma G4S zugeben musste, dass ihr 3500 Mitarbeiter fehlen, ist das Vertrauen erneut gesunken. Einspringen müssen nun in Afghanistan kampferprobte Soldaten. Der „Observer“ berichtete am Sonntag über anhaltende Mängel auf dem für Chaos und Schlangen berüchtigten Flughafen Heathrow – mehrere Personen, die auf einer Terror-Beobachtungsliste stehen, hätten unkontrolliert die Grenze passiert.

Aber es geht nicht nur um Terror. Für Kriminelle aus ganz Europa sei London während der Spiele eine Anlaufstelle, warnt Scotland Yard. Polizisten haben Urlaubssperre, mindestens 27 000 Sicherheitsbeamte werden im Einsatz sein. Wer es durch die enormen Kontrollen ins Stadion schafft – wofür bis zu zwei Stunden gerechnet werden – darf sich aber sicher fühlen. Die Liste der Gegenstände, die konfisziert werden, geht von Messern und Schusswaffen bis zu „spitzigen Kämmen“ und Skateboards. Giftstoffe und Chemikalien, Wifi Router und Golf-Regenschirme, „übergroße Hüte“ und Flüssigkeiten über 100ml sind verboten – auch Wasserflaschen.

Man werde sich bei den Sicherheitsmaßnahmen aber „dezent“ im Hintergrund halten, versprechen Minister trotz allem. Bewaffnete Soldaten zur Sicherung der Spiele seien „normal“, ergänzt Verteidigungsminister Phillip Hammond. Das sei auch bei anderen olympischen Spielen so gewesen.

Freuen sich die Londoner auf Olympia?

Fragt man die Leute auf der Straße, im Pub, an den Schultoren, lautet die Antwort: Nein. Eher herrscht in der britischen Hauptstadt eine mit Skepsis durchsetzte, grimmige Erwartung.

Aber Londoner sind, was Spiel und Spaß angeht, oft ziemlich blasiert und wenn es dann los geht, doch begeistert dabei. Die Vorbereitungen wurde von Anfang an von einem Strom von Kritik und Debatten begleitet. Über die hohen Kosten, die Sondersteuer der Londoner auf ihre Kommunalabgabe, den Verkauf von Karten, bei dem sie glaubten, den Kürzeren zu ziehen. Es gab – abgesehen von den Dauerdebatten um Sicherheit und Verkehr – einige Kontroversen um ausländische Bauarbeiter und Sponsorenverträge. Nur Wochen vor Beginn der Spiele bekundete die Hälfte der Londoner in Umfragen, „kein Interesse“ an Olympia zu haben. Nur 51 Prozent glauben, dass die Spiele der Stadt Vorteile bringen.

Aber wenn am 27. Juli morgens die Glocken läuten und das Spektakel beginnt, werden die Londoner sicher begeistert bei der „größten Party der Geschichte“ dabei sein, die Bürgermeister Johnson ihnen verspricht.

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    Unser Ticker startet mit der Eröffnungsfeier am 27. Juli. Insgesamt berichten wir über 250 Stunden live von den Sommerspielen 2012.
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