Olympiabewerbung : München 2018: Auf den Spuren von Leipzig

Münchens Bewerbung für Olympia 2018 fällt nur noch mit Personalwechseln auf. Der Widerstand im Land bleibt massiv.

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Die Olympia-Gegner treiben ihren Widerstand gegen die Münchner Bewerbung für die Winterspiele 2018 voran.
Die Olympia-Gegner treiben ihren Widerstand gegen die Münchner Bewerbung für die Winterspiele 2018 voran.Foto: dpa

Berlin - Langsam nähert sich die Münchner Bewerbung um die Olympischen Spiele an Leipziger Verhältnisse an. Und das heißt nichts Gutes: War die Leipziger Kampagne für die Spiele 2012 von zahllosen Personalquerelen an der Spitze begleitet und schließlich in der Vorrunde gescheitert, so kommt auch Münchens Bemühen um die Winterspiele 2018 mehr und mehr ins Stocken. Der Rückzug von Willy Bogner aus der Geschäftsführung der Bewerbungsgesellschaft aus gesundheitlichen Gründen ist einer von vielen Rückschlägen. Zunächst hatte sich im Februar 2009 der damalige Münchner Olympiapark-Chef Wilfrid Spronk aus gesundheitlichen Gründen aus dem Bewerbungsteam zurückgezogen. Im vergangenen März wurde dann Richard Adam nach nur 16 Monaten im Amt beurlaubt. Nach Informationen aus Bewerberkreisen waren dafür vor allem Differenzen über die Ausrichtung der Bewerbung ursächlich - auch mit Bogner. Nun zieht sich auch der Mode-Unternehmer, der eigentlich das Gesicht der Bewerbung werden sollte, nach nur zehn Monaten Amtszeit zurück.

"Eine solche Entwicklung wünscht sich natürlich keiner", sagt Michael Vesper, der Generalsekretär des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), dem Tagesspiegel. "Aber wir haben trotzdem noch viele Integrationsfiguren." Genau das aber kann man bezweifeln. Zwar soll nun Eiskunstlauf-Star Katarina Witt der Bewerbung international mehr Glanz verleihen. Und der neue Geschäftsführer Bernhard Schwank, zuletzt Delegationsleiter der deutschen Olympia-Mannschaft in Vancouver, gilt als akribischer Arbeiter. Doch in Funktionärskreisen wird eingeräumt, dass die Bewerbung vor allen Dingen ein Vermittlungsproblem in Bayern hat. Das lässt sich selbst aus Schwanks Äußerung herauslesen, der mitteilte, er freue sich "auf die neue Herausforderung".

Die massiven Proteste von Bauern und Naturschützern gegen die Nutzung des Landes für Olympia haben nicht abgenommen. "Das ist eine Pannen-Bewerbung", hieß es am Dienstag erneut aus dem Lager der Gegner. Zehn Monate vor dem Finale zeichnet sich vor allem am Standort Garmisch-Partenkirchen kein Wohlwollen ab - zumal hier auch noch kommunalpolitische Schlachten toben. "Wir gucken, dass wir damit klar kommen", sagt Vesper dazu. Es soll optimistisch klingen.

Klar ist jedenfalls, dass die deutschen Olympiamacher gute Nachrichten brauchen. "Jede Negativmeldung wird im Ausland genau registriert", mahnt DOSB-Präsident Thomas Bach. Neben München kandidieren das französische Annecy und das südkoreanische Pyeongchang. Während den Franzosen bereits vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) Schwächen in der Planung attestiert worden sind, haben sich die Südkoreaner nach mehreren Versuchen inzwischen eine breite Front von Unterstützern aufgebaut. Zudem agieren finanzkräftige asiatische Sponsoren im Hintergrund. Am Ende eines knappen Rennens könnte die Emotion entscheiden, wird im IOC gemutmaßt. Die Gefühle sollten nach dem Willen der deutschen Sportpolitik eigentlich für München sprechen, das bereits 1972 Austragungsort von Sommerspielen war.

Doch der Funke will in Deutschland nicht überspringen. Das mag daran liegen, dass mit Berlin und Hamburg mögliche starke Konkurrenten vom deutschen Sport gar nicht erst angesprochen wurden. Auch daran, dass in Bayern die bisherige Halb-Staatspartei CSU um Reputation kämpfen muss. Und auch daran, dass zuletzt mit Leipzig eine deutsche Bewerbung im Chaos versank.

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