Olympiade in Peking : Schwimmen wird ein Würfelspiel

Modern, klare Linien, futuristisch: Die deutschen Athleten sind beeindruckt vom olympischen Wassersportzentrum in Peking. Die deutschen Schwimmerinnen haben das Wasserbecken schon einmal vorab getestet.

Frank Hollmann[Peking]
Schwimmhalle Peking
Tolles Ambiente: Das Wassersportzentrum in Peking. -Foto: dpa

Für Britta Steffen und Antje Buschschulte haben die Olympischen Spiele gestern schon ein kleines bisschen begonnen. Da sprangen die deutschen Spitzenschwimmerinnen zum ersten Mal für einen Wettkampf ins Becken des olympischen Wassersportzentrums von Peking. Ihr erster Eindruck hätte kaum euphorischer ausfallen können: „Wahnsinn. Beeinduckend. Unglaublich schön.“

Es ist der erste Test des Water Cube, des Wasserwürfels, der am Abend leuchtend blau strahlt und neben dem Olympiastadion das beeindruckendste Bauwerk für die Spiele ist. Was die Pekinger Organisatoren als ersten internationalen Wettkampf ankündigten, entpuppt sich allerdings als offene deutsche Meisterschaft mit ostasiatischer Beteiligung. Nur der Deutsche Schwimmverband (DSV) hat einen Großteil seiner Spitzenathleten geschickt. Schwimmgroßmächte wie die USA oder Australien fehlen. Selbst Gastgeber China nimmt nur mit seiner zweiten Garde teil. „Enttäuschend“ findet das Britta Steffen, aber die Reise lohne sich trotzdem. „Wir wollen uns ans Becken gewöhnen und ein heimisches Gefühl bekommen“, sagt die Weltrekordhalterin aus Berlin.

DSV-Sportdirektor Örjan Madsen ist deshalb mit 16 Athleten und zahlreichen Betreuern angereist. Vielen Athleten helfe es, sich mit der Halle vertraut zu machen. Für andere sei das nicht so entscheidend. Deshalb habe er auch jedem seiner Kaderschwimmer freigestellt, diese Reise mitzumachen. Bestleistungen indes erwartet Madsen nicht. Die Magdeburgerin Buschschulte, dreifache Bronzemedaillengewinnerin von Athen, plagt sich nach überstandener Schulteroperation mit einer Erkältung. Die Senkrechtstarterin der letzten zwei Jahre, Annika Lurz aus Würzburg, erlitt im Herbst einen Ermüdungsbruch eines Lendenwirbels. Nun kämpft sie sich langsam aus dem Formtief heraus.

Daneben hoffen unter anderem Daniela Götz, Annika Mehlhorn, Helge Meeuw und Paul Biedermann auf einen guten Start ins Olympiajahr, allerdings bei Tiefkühltemperaturen. Schnee und Eis lähmen seit dem Wochenende weite Teile des Landes. Auch in Peking herrscht klirrende Kälte bei einem allerdings seit Tagen ungewohnt blauen Himmel. Im August werden ganz andere Bedingungen herrschen. Auch Madsen rechnet mit sengender Hitze und dem gefürchteten Pekinger Smog. Doch der Norweger will nicht lamentieren: „Wir müssen uns über die Dinge Gedanken machen, die wir ändern können. Den Smog können wir nicht ändern. Aber wir schwimmen in einer Halle und werden weniger Probleme haben wie Leichtathleten.“

Höchstens mit den Startzeiten. Auf Drängen des finanzstarken US-Fernsehens finden die Finals am Vormittag statt. Denselben Zeitplan gibt es nun bei diesen Testwettkämpfen, den China Open. Die Vorläufe beginnen um 18.30 Uhr, die Finals um 10 Uhr. Und da die DSV-Riege erst am Mittwoch angereist ist, steht die innere Uhr noch auf 2 Uhr nachts. Keine Idealbedingungen für Traumzeiten. Auch Steffen sagt, ihre Erwartungshaltung sei nicht besonders hoch.

Bei Olympia indes soll sich das ändern. Die Pekinger Schwimmarena biete alle Voraussetzungen für Weltklassezeiten, schwärmt Örjan Madsen. Das Becken sei besonders tief. Das garantiere einen geringen Wasserwiderstand. Die Anfeuerung von17 000 Zuschauern, verteilt auf zwei gigantische Tribünen auf beide Längsseiten, würden in der riesigen Halle einen ohrenbetäubenden Lärm erzeugen, vermutet Madsen. „Ich kann mir vorstellen, das wird ein fantastisches Erlebnis sein.“

Laut soll es hier auch nach den Spielen bleiben. Gemäß dem nacholympischen Nutzungsplan wird der Water Cube zum Freizeit-und Vergnügungszentrum. Ein Teil der Tribünen wird dafür herausgerissen. Statt dessen werden Boutiquen, Nachtklubs, Restaurants und vermutlich auch die in China obligatorische Karaokebar einziehen. Schon jetzt kann man in der in bis zu 1670 verschiedenen Farbschattierungen leuchtenden Schwimmarena auch Tennis spielen.

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