Olympiaqualifikation : Deutsche Volleyballer in London dabei

Deutschlands Volleyballer besiegen Tschechien 3:1 und qualifizieren sich nach dem dritten Sieg im dritten Spiel des Qualifikationsturniers in Berlin für die Olympischen Spiele.

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Der Hammer. Neben den beiden Hockey-Teams sind die Volleyballer um Diagonalangreifer Georg Grozer die einzige Mannschaft aus Deutschland bei den Spielen in London.
Der Hammer. Neben den beiden Hockey-Teams sind die Volleyballer um Diagonalangreifer Georg Grozer die einzige Mannschaft aus...Foto: dapd

Berlin - Und dann fing Georg Grozer an zu weinen. Auf der Tribüne tobten 4110 Zuschauer, sie schrieen, knallten mit ihren Klatschpappen, Trommelschläge dröhnten durch die Max-Schmeling-Halle, Jubelschreie durchmischten sich mit Party-Musik aus den Boxen, und mitten auf dem Feld lehnte sich Georg Grozer an die Brust von Björn Andrae und heulte wie ein Schlosshund. Grozer, der Zwei-Meter-Hüne mit den brachialen Angriffsschlägen, der auf seinem rechten Oberarm seine Nummer, die Neun, tätowiert hatte, der Mann mit den Dampfhammer-Aufschlägen, der drückte sich gegen seinen Kapitän wie ein Kind, das den Schutz der Mutter sucht. Die Hände hingen schlaff an seinem Körper.

Der heulende Diagonalangreifer Grozer, das war das berührendste Bild dieses Sonntagabends, an dem die deutschen Volleyballer ihren größten Triumph seit Jahren feierten. Sie dürfen zu den Olympischen Spielen, sie haben durch einen 3:1 (25:21, 23:25, 25:23, 25:21)-Sieg gegen Tschechien die Olympiaqualifikation gewonnen. „Das ist einfach nur geil“, brüllte Libero Markus Steuerwald.

Und Grozer kämpfte später mit geröteten Augen schon wieder mit den Tränen, als er sagte: „Das ist das Größte, was ich je erlebt habe. Mein Traum war es immer, dass ein Grozer mal bei den Olympischen Spielen spielt“, sagt der 27-Jährige. Sein Vater ist Georg Grozer, genannt „Hammer-Schorsch“. Grozer senior war früher ein legendärer ungarischer und später deutscher Nationalspieler. Aber zu Olympia schaffte er es nie. „Ich bekomme schon wieder einen Heulkrampf, wenn ich daran denke“, stammelte der Sohn.

Die Tschechen hatten keine Chance mehr auf ein London-Ticket, aber sie spielten, als stünden sie kurz vor der Olympia-Teilnahme. Die Deutschen, noch erkennbar ausgepowert von der Gala-Vorstellung gegen Kuba am Vorabend, hatten zeitweise einige Probleme. Im dritten Satz drohte das Spiel sogar zu kippen. Aber da zeigte sich der Teamgeist dieser Mannschaft. Der eingewechselte Diagonalangreifer Jochen Schöps sicherte seiner Mannschaft mit mehreren Punkten noch den Satzgewinn.

Als eine halbe Stunde später dann Marcus Popp vor Freude brüllend dem Ball zusah, der vom tschechischen Block quer übers deutsche Feld ins Aus flog, da war schon fast alles klar. Im vierten Satz führte Deutschland damit 24:21, und als dann noch ein Angriffsball der Tschechen im Aus landete, da feierten Fans, Spieler und Betreuer, als hätte das Team eine Olympiamedaille gewonnen.

Max Günthör und Sebastian Schwarz lagen sich knieend in den Armen, die restlichen Spieler hüpften wie aufgezogen übers Feld, Co-Trainer Sebastian Hübner spritzte mit Mineralwasser. Kurz darauf dröhnte aus den Boxen „Humba humba täterä“; die Spieler interpretierten es als Signal, zu den Fans zu laufen und sich auf den Bauch zu werfen. Kurzzeitig hatte die Siegesfeier den Anstrich einer Prunksitzung des Kölner Karnevals mit Hauptdarstellern in kurzen Hosen.

Nur einer blieb in dem ganzen Trubel abgeklärt. Bundestrainer Vital Heynen verkündete, dass er „noch überhaupt nicht an Olympia denkt“. Schwer zu sagen, wie es innerlich in ihm aussah. Der Belgier hat es in kurzer Zeit geschafft, diese Spieler, die bei der EM noch katastrophal gespielt hatten, zu einer selbstbewussten Einheit zu verschmelzen. „Er hat sensationelle Arbeit geleistet“, sagte Grozer. „Er ist hochprofessionell, aber er hat auch eine entspannte Seite.“ Die ist auch erstmal gefragt. Denn Grozer stellte das restliche Abendprogramm kurz und bündig vor: „Sehr viel trinken.“

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