Sport : Olympiastadion: Deutschland schaut auf eine Baustelle

Milliarden Menschen in aller Herren Länder werden am 9. Juli 2006 nach Berlin schauen, wenn im Berliner Olympiastadion das Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft steigt. Millionen Fans in Deutschland zog das Olympiastadion schon am Samstagabend in seinen Bann, als sich auf dem Rasen der deutsche Vizemeister Schalke 04 und Zweitliga-Aufsteiger 1. FC Union Berlin im Finale des DFB-Pokals gegenüberstanden.

Gut 200 000 Karten hätten für das Spektakel verkauft werden können, das seit 1985 traditionell in Berlin angepfiffen wird. Doch nur 73 000 Zuschauer durften dabeisein. Das Stadion ist eine Baustelle, seit im vergangenen Juli nach dem ersten Spatenstich durch Bundeskanzler Gerhard Schröder und Franz Beckenbauer die Umbaumaßnahmen eingeleitet wurden. Anlässlich der Olympischen Spiele 1936 eingeweiht und architektonisches Wahrzeichen einer Zeit, in der für ein vermeintlich tausendjähriges Reich gebaut wurde, erhält der Gigant aus Stein seit vorigem Sommer allmählich das Gewand einer modernen, WM-tauglichen Arena.

Zunächst wurden bei den auf vier Jahre angelegten Bauarbeiten das Marathontor und der Unterring der Gegentribüne abgerissen, so dass ein Teil der Ränge für Zuschauer gesperrt ist und Alltagsnutzer Hertha BSC in der Fußball-Bundesliga maximal 55 000 Besucher empfangen darf. Die Zuschauerlücken waren auch am Wochenende sichtbar. Aber immerhin: Zum Pokalfinale, für das Berlin mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) noch einen Vertrag bis 2004 besitzt, sind trotz Umbaus 70 000 Plätze garantiert. Beim Endspiel 2001 wurden die Vorgaben sogar überboten - dank mobiler Tribünen mit 4500 Plätzen in der ersten Reihe - gewissermaßen voll auf Ballhöhe.

"Wir liegen mit den Arbeiten genau im Zeitplan", sagt Bauleiter Wolf Zopfy. Das ist ein Zwischenfazit, das angesichts des jahrelangen Streits um das Stadion, in dem der US-Amerikaner Jesse Owens vor 65 Jahren viermal olympisches Gold gewann, eine gute Nachricht ist. Urprünglich wollte der Bund für die Sanierung nur 100 Millionen Mark zuschießen. Erst als Berlins Große Koalition im Bundesrat für die Steuerreform der rot-grünen Regierung stimmte, stockte die Bundesregierung ihren Anteil auf knapp 400 Millionen Mark auf.

Auch die Pläne der Architekten wurden mehrmals überholt. Erste Ideen gingen dahin, das Olympiastadion als denkmalgeschützte Ruine zu erhalten und dafür einen Neubau aus dem Boden zu stampfen beziehungsweise ein Stadion im Stadion zu montieren. Wie das Stadion künftig wirklich aussieht, wird seit dem Sonnabend in einer Ausstellung auf dem benachbarten Reichssportfeld gezeigt. Das Glanzlicht dabei ist ein 600 Quadratmeter großes Rundpanorama.

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