Olympiastadion : Hertha denkt zu Recht an Auszug

Das gibt Ärger. Die Berliner Hertha darf im Olympiastadion spielen, angeblich eine der schönsten Sportarenen des Universums, vor ein paar Jahren mit 242 Steuermillionen denkmalgerecht durchsaniert - und jetzt erwägt der Verein, sich ein neues Stadion zu bauen. Warum das absolut richtig ist, lesen Sie hier.

Lorenz Maroldt

Wer noch nie bei einem Hertha- Spiel war (das eine ausverkaufte pro Saison gegen die Bayern ausgenommen), mag das als grotesk empfinden, und wer nur auf den Zuschauerschnitt schaut, wohl auch: Mit mehr als 40 000 verkauften Karten steht Hertha gut da.

Doch wer sich hier je auf einem Kurvenplatz im Oberring ein trostloses Unentschieden gegen Wolfsburg oder gar Schlimmeres angetan hat, der weiß, dass es auch ohne Nebel schwierig ist, das gegenüberliegende Tor zu erkennen, und jenes leichte Frösteln, das einen in Dortmund, Hamburg und Köln erfasst, kommt hier nicht von der Spannung, sondern wird verursacht durch Stimmungskunst: Die Auslastung liegt bei unter 60 Prozent.

Dieses Stadion ist trotz Modernisierung nicht passend genug für den normalen Fußballbetrieb. Die Laufbahn überflüssig und störend, die Tribünen zu flach, die Zahl der Plätze zu hoch – das geht nicht gut. Wenn Hertha-Manager Dieter Hoeneß jetzt eine Machbarkeitsstudie für einen Neubau auf den Weg bringt, ist das absolut richtig – alles andere wäre vereinsschädigendes Verhalten.

Für das Land Berlin und die Betreibergesellschaft wäre das hingegen ein schwerer Schlag. Hertha zahlt 4,5 Millionen Euro Miete im Jahr – wer sollte da einspringen? Doch der Verein ist dafür nicht verantwortlich, ebenso wenig wie für die bisherigen Kosten. Das Stadion ist mit Blick auf die WM 2006 saniert worden, und dass dafür weit mehr Geld ausgegeben wurde als nötig, ist nicht dem Maskottchen Herthinho, sondern den hartnäckigen Denkmalschützern geschuldet. Hoeneß hatte damals schon erklärt, dass ihm ein neues, reines Fußballstadion lieber wäre. Die Entscheidung aber fiel anders aus, und Hertha band sich als Mieter ans Olympiastadion – bis 2017.

Der Senat kannte das Risiko. Der Verein wiederum ist sich selbst am nächsten und muss an die eigene wirtschaftliche Perspektive denken. Auf Dauer ist das Olympiastadion ein Wettbewerbsnachteil.

Der eine wichtige Aspekt der Machbarkeitsstudie wird die Finanzierung sein. Denn klar ist, bei dieser Vorgeschichte: Da wird kein einziger Euro aus öffentlichen Kassen kommen können, sonst gibt es einen Aufstand.

Der andere Punkt ist: der Standort. Dreilinden ist im Gespräch, und auch das Autobahndreieck Oranienburg. Das klingt so ungemütlich, wie das Olympiastadion schon heute ist. Ein Stadion mittendrin, auf dem Schlossplatz zum Beispiel, verkleidet mit historischen Fassaden, wäre zwar praktisch und schön, dürfte aber an der Preußenlobby scheitern.

Bleibt das Gelände des bald ehemaligen Flughafens Tempelhof. Das wäre allerdings eine perfekte Wahl. Genug Platz, gute Verkehrsanbindung und, vor allem anderen: die einmalige Chance einer endlich echten Verbindung der Stadt mit ihrem erfolgreichsten Fußballverein. Das ist es wert – für Hertha und für Berlin.

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