Olympiastadion : Volle Hütte für Hertha

Hertha BSC erwartet rund 70.000 Zuschauer gegen Bochum und staunt über die eigene Attraktivität.

Sven Goldmann
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Gemeinsam jubeln. Herthas Spieler feierten in Hamburg mit den Fans. Gegen Bochum wollen sie das wiederholen. Foto: p-a

Berlin - Natürlich hat Lucien Favre vor dem Fernseher gesessen. Spätabends, als im Halbfinale der Champions League schon die Nachspielzeit lief und sich der FC Barcelona zu einem ersten, einzigen Torschuss aufraffte. Dann war der Ball drin und Favre ist aufgesprungen, „ich habe gejubelt, ja!“, ruft der Trainer von Hertha BSC, und wer ihn erlebt hat, wie er noch 14 Stunden später mit beiden Fäusten auf den Tisch trommelt und lacht, der kann sich in etwa vorstellen, welche Stimmung am Mittwochabend im Hause Favre herrschte.

Dazu muss man wissen, dass der Schweizer Fußballlehrer zwar als Patriot an seiner Heimat und als loyaler Angestellter auch an Hertha BSC hängt. Sein Herz aber gehört dem FC Barcelona, weil sie dort genau den Fußball spielen, wie ihn Favre auch gern in Berlin spielen würde. Schnell, offensiv, intelligent und dazu wunderschön anzuschauen. Als Johan Cruyff noch Trainer war im Camp Nou, hat Favre dort mal ein Praktikum gemacht. Es prägt ihn bis in die heutigen Tage, da er Hertha BSC in die Reichweite der Bundesligaspitze geführt hat.

Spiele des FC Barcelona verlaufen für gewöhnlich recht einseitig in Richtung des gegnerischen Tores. Am Mittwoch aber spielte die Mannschaft beinahe so, wie es Hertha in der Bundesliga mit einer gewissen Perfektion tut. Zurückhaltend und effizient, ja viel effizienter noch, als es die Berliner Woche für Woche demonstrieren. „Ein Tor aus gar keiner Chance“ – Favre nickt anerkennend, Respekt!, das muss dem FC Barcelona erst mal einer nachmachen. Auch Hertha hatte zuletzt am Sonntag beim 1:1 in Hamburg zurückhaltend begonnen, mit zunehmender Spielzeit aber immer größeren Druck ausgeübt. Am Ende hatten die Berliner das Spiel so deutlich in der Hand, dass der eine Punkt beim heimstarken HSV fast schon zu wenig war.

Favres Mannschaft bewegt sich in neuen, ungewohnten Sphären, und das nicht nur, was die Tabellenposition betrifft. Hertha BSC zieht die Zuschauer an wie zuletzt in jener Saison Ende der Neunziger, die völlig überraschend mit Platz drei und der Qualifikation für die Champions League endete. Das letzte Heimspiel dieser Saison am 16. Mai gegen den alten Lieblingsfeind Schalke ist seit Wochen ausverkauft, für die Partie am Samstag gegen den nicht eben als Kassenmagneten bekannten VfL Bochum gibt es nur noch wenige Karten. Um die 70 000 Zuschauer werden erwartet. „Ich kann mich nicht erinnern, dass wir gegen Bochum schon mal so viele Zuschauer hatten“, sagt Manager Dieter Hoeneß, und der arbeitet nun auch schon im 14. Jahr für Hertha.

Lucien Favre kann am Samstag bis auf die länger verletzten Spieler seine beste Besetzung aufbieten, mal abgesehen vom serbischen Mittelfeldspieler Gojko Kacar, der nach seiner fünften Gelben Karte gesperrt ist. Es spricht für Kacars Klasse, dass er auch so die Schlagzeilen auf dem Boulevard prägt. Am Donnerstag kolportierte die „Bild“-Zeitung, Felix Magath wolle den torgefährlichen Mittelfeldspieler mitbringen, wenn er zur kommenden Saison seinen Dienst als neuer TrainerManagerVorstand beim FC Schalke 04 antritt. „Ja, ja, das ist das Gleiche wie das angebliche Angebot aus Florenz“, sagt Favre. Das angebliche Angebot aus Florenz fußte auf einem unverbindlichen Anruf während der Winterpause und hatte am Mittwoch seinen späten Weg in eine Boulevardzeitung gefunden.

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