Sport : Olympier am Schießstand

Ernst Podeswa

Stefan Schwarzbach redete wie mit Engelszungen. Als das nicht half, wurde der Pressesprecher der deutschen Biathleten resoluter: "Ich muss die Medieneinsätze ein bisschen verteilen. Ich gebe euch den Ricco Groß. Der ist auch schon mehrfacher Weltmeister und Olympiasieger und ein guter Typ." Und so durften die Biathlonfreunde fast zwei Stunden im Internet mit dem Ruhpoldinger live chatten.

Haben wollten die Leute vom Internetanbieter entweder den Thüringer Frank Luck oder die Bayerin Uschi Disl. "Das geht nun seit Wochen so. Alle wollen nur die beiden", stöhnt Schwarzbach. Die beiden Oldtimer sind in Deutschland halt nicht nur länger als ein Jahrzehnt Leistungs-, sondern auch Sympathieträger. Gestern beim Weltcup in Oberhof vor 14 000 Zuschauern wurde die 31-jährige Disl im Verfolgungswettbewerb über 10 km als Siebente wieder einmal beste Deutsche. Bis zum letzten Schießen war sogar ein Sieg möglich, doch da hatte die Schwedin Magdalena Forsberg die stärksten Nerven und feierte ihren 40. Weltcup-Triumph. Über 12,5 km der Mäner distanzierte Weltcup-Spitzenreiter Pawel Rostowzew (Russland) die Gegnerschaft.

Der 34-jährige Luck war als Achter hinter Sven Fischer (3./Oberhof) und Michael Greis (5./Nesselwang) zwar nur die Nummer drei der Gastgeber, doch seine Leistung mit nur einem Fehler beim Schießen löste ebenso großen Jubel auf den Rängen aus. Luck war achtmal Weltmeister, in Salt Lake City will er zum vierten Mal bei Olympischen Spielen starten. Es wären sogar seine fünften, wenn ihm 1992 in Albertville nicht eine Mumps-Erkrankung dazwischengegkommen wäre. In der auf Gold programmierten Staffel wird er wohl wieder der Schlussläufer sein. Danach will er mit den Trainern beraten, "ob ich aufhöre oder bis zur WM 2004 in Oberhof weitermache".

Soweit ist Uschi Disl mit ihren Planungen noch nicht. "Ich werde sicher nach Olympia beim Bundesgrenzschutz vorerst bleiben und weiterlaufen", sagt die dienstälteste deutsche Biathletin. Sie weiß bisher nur, dass sie bei den nächsten Winterspielen 2006 in Turin nicht mehr dabei sein wird, "denn irgendwann möchte ich auch eine Familie haben". Beruflich könnte sich ein Job beim Fernsehen ergeben, denn Angebote gäbe es schon.

Als Oma der Nation fühle sie sich in der Mannschaft keinesfalls. Das Verhältnis zu den durchweg Jüngeren sei "völlig normal. Dass man mit 31 manchmal anders denkt und reagiert als mit 22, ist aber wohl natürlich". Nur mitunter, wenn sie mit Petra Behle, Antje Misersky oder Kerstin Mohring Kontakt habe, Gefährtinnen aus den Jahren 1991/92, merke sie, "wie die Zeit vergangen ist". In Salt Lake City wird sie ihren vierten Auftritt bei Olympia erleben. Darauf ist sie stolz, "immerhin bin ich mehr als ein Jahrzehnt in der Weltspitze gelaufen und habe mehr als 20 Weltcuprennen gewonnen".

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