Sport : Olympische Bibelstunde Bewerberstädte für 2012 schließen Fairnessabkommen

Robert Ide

Berlin. Der Festredner war gut ausgewählt. Der evangelische Bischof Wolfgang Huber trat am Freitagabend im Deutschen Olympischen Institut ans Mikrofon und hielt eine Ansprache zum Thema Sport und Frieden.

„Das Fairness-Prinzip muss das grundlegende Prinzip des Sports sein", sagte Bischof Huber unter dem Beifall der versammelten deutschen Sportprominenz und von Bundesinnenminister Otto Schily (SPD). In Anlehnung an die Bibel sagte Huber weiter: „Der Sieger, der vergisst, wie man sich als Verlierer fühlt, verfällt leicht dem Hochmut.“ Diese Worte waren der treffende Abschluss eines Tages, an dem die olympische Familie zum traditionellen Neujahrsempfang in der Villa am Wannsee zusammenkam. Vor dem Empfang hatte sich das Nationale Olympische Komitee (NOK) mit den Oberbürgermeistern der fünf deutschen Städte getroffen, die sich um die Olympischen Spiele 2012 bewerben wollen. Ihr politisches Thema lautete: die Fairness beim Rennen um Olympia.

In drei Monaten entscheidet das NOK, wer für Deutschland an den Start gehen darf: Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Stuttgart oder Leipzig. Nur eine Stadt kann gewinnen. Damit die anderen vier den deutschen Favoriten auch international unterstützen, legte der neue NOK-Chef Klaus Steinbach den Bürgermeistern einen Fairnessplan vor.

Demnach soll, wie schon am Freitag berichtet, das olympische Programm auf alle Bewerberstädte verteilt werden. Das Fußballturnier soll in ganz Deutschland stattfinden. Die fünf Bewerber nahmen am Freitag den Plan mit dem Namen „Städte für Olympia“ an. „Dieses Abkommen ist ein Meilenstein für die deutsche Bewerbung", sagte Klaus Steinbach danach zufrieden. Auch Otto Schily lobte das Projekt. „Diese Idee finde ich sehr attraktiv und im besten Sinne olympisch", sagte Schily dem Tagesspiegel. „Wenn das realisiert wird, gibt es bei der Bewerbung keine Verlierer."

Die fünf Bewerberstädte sollen nun bis März ihre Vorstellungen von der Verteilung des olympischen Programms ausarbeiten. Jeder soll erklären, welche Wettbewerbe er im Falle eines Sieges abgeben will und welche er im Falle einer Niederlage bekommen möchte. Die Städte schlugen daraufhin sogar vor, die Vereinbarung noch schriftlich zu fixieren. Darüber soll in nächster Zeit beraten werden.

„Jetzt können alle Bewerber nur noch gewinnen", sagte Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth nach der Einigung. „Wir treten jetzt gemeinsam für Deutschland an", ergänzte ihr Leipziger Kollege Wolfgang Tiefensee. Bei so viel Fairness in der olympischen Familie staunte selbst Bischof Wolfgang Huber: „Wenn sich diese Einsicht wirklich durchsetzen sollte, käme das einer kleinen Revolution gleich."

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