Sport : Olympische Eiszeit

Der Plan Münchens, sich um die Winterspiele 2014 zu bewerben, stößt im NOK auf Skepsis

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Berlin Clemens Prokop ist verärgert. Der Vizepräsident des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) findet die Debatte, ob sich München um die Olympischen Winterspiele im Jahr 2014 bewerben sollte, nicht sinnvoll. „Bisher haben wir keine Strategie“, sagt Prokop. „Zunächst müssen wir unsere Priorität festlegen: Will Deutschland Sommer- oder Winterspiele?“ Seine eigene Priorität kann Prokop, der Chef des Deutschen Leichtathletik-Verbands (DLV) ist, nur schwer verbergen: „Winterspiele sind eine tolle Sache, aber Sommerspiele haben eine höhere Wertigkeit.“

Kann sich Deutschland gleichzeitig um Winter- und Sommerspiele bewerben? „Theoretisch ist das möglich“, sagt NOK-Ehrenpräsident Walther Tröger. „Aber es ist sicher schwierig.“ Viele Funktionäre glauben, dass sich Deutschland trotz Leipzigs gescheiterter Kandidatur für 2012 schnell wieder bewerben sollte. Demnach könnte sich München jetzt um die Winterspiele 2014 bemühen und danach Hamburg oder Berlin um die Sommerspiele 2016 und – wenn nötig – 2020. Viele Unterstützer findet diese Strategie aber nicht. „Ich rate dem Sport, sich auf eine Stadt festzulegen“, sagt etwa Horst Meyer, der Hamburgs Kandidatur für 2012 gemanagt hatte, die national gegen Leipzig verloren ging. „Eine neue Konkurrenz mehrerer Städte wäre ökonomisch unsinnig“, sagt NOK-Mitglied Meyer.

Das NOK-Präsidium will das Thema in zwei Wochen beraten. Wintersport- Funktionäre wie Skiverbands-Chef Fritz Wagnerberger drängen zur Eile. Am 28. Juli ist Bewerbungsschluss beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) für 2014. Bisherige Bewerber sind Österreich mit Salzburg oder Innsbruck, das schwedische Östersund sowie Pyeongchang. Die südkoreanische Stadt, beim Rennen um 2010 knapp an Vancouver gescheitert, gilt als Favorit. Dennoch sagt Sportbund-Präsident Manfred von Richthofen: „Für Deutschland sind Winterspiele in München realistischer als Sommerspiele.“ Im Juli entscheidet das IOC auch, wer statt Leipzig die Sommerspiele 2012 bekommt. Die deutschen Hoffnungen richten sich auf New York als einzige nicht-europäische Stadt. Viele räumen aber Paris gute Chancen ein; dann wäre Olympia 2016 in Europa unwahrscheinlich. Eine deutsche Bewerbung würde nur als Vorbereitung für 2020 Sinn machen – so hat es Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit angeregt.

Im Sport werden nur drei deutsche Städte genannt, die Olympische Spiele holen können: München, Hamburg und Berlin. München hat laut NOK-Vize Prokop den Nachteil, dass es „kein klassischer Wintersport ist“ und oft in die Alpen ausweichen müsste – so wie Turin 2006. Münchens Oberbürgermeister Christian Ude ficht das nicht an. „Der Sport muss sagen, welche Spiele er will“, sagt Ude. „Wenn er Winterspiele will, haben wir beste Voraussetzungen und werden hochmotiviert ins Rennen gehen.“

Hamburg und Berlin halten sich da mit Beifall zurück. „Wir werden unabhängig von den Münchner Ideen die Sportstadt Hamburg positionieren“, heißt es aus dem Büro von Bürgermeister Ole von Beust. Und Berlins Senatssprecher Michael Donnermeyer witzelt: „Berlin kann sich auch um Winterspiele bewerben – mit Skirennen auf dem Teufelsberg.“

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