Sport : Olympische Eitelkeiten

Bei Leipzigs Bewerbung gibt es Streit um Posten und Konzepte

Robert Ide

Berlin. Eine gute Nachricht immerhin konnten Leipzigs Zeitungen am Mittwoch vermelden. Die sächsische Messestadt ist nach der Studie einer Consultingfirma die günstigste Großstadt in Deutschland. Die Lebenshaltungskosten für Einheimische und Touristen fallen im Vergleich mit anderen deutschen Metropolen deutlich geringer aus – ein Standortvorteil. Ansonsten macht Leipzig eher negative Schlagzeilen – wegen der Bewerbung um Olympia 2012.

Zwei Monate nach Leipzigs nationaler Wahl zum Olympia-Kandidaten gibt es Streit in der Bewerbungsgesellschaft. Der designierte Geschäftsführer Mike de Vries, der seinen Posten ab 1. Juli antreten wollte, soll nun doch nicht nach Leipzig kommen. Marketingexperte de Vries, der vom Chef des Nationalen Olympischen Komitees (NOK), Klaus Steinbach, favorisiert worden war, scheitert offenbar an lokalen Widerständen. Die Landesregierung sei in die Personalentscheidung nicht ausreichend eingebunden worden, heißt es aus NOK-Kreisen, auch Leipzigs Bürgermeister Wolfgang Tiefensee habe sich vor den Kopf gestoßen gefühlt. Zudem berichten Insider, dass das Verhältnis zwischen Tiefensee und Olympiachef Steinbach nicht gerade gut sein soll. Eine gute Zusammenarbeit beider ist aber entscheidend für den internationalen Erfolg. Denn Tiefensee soll Leipzigs Bewerbung im politischen Bereich vorantreiben, Steinbach im sportlichen.

„Da geht es nur um Eitelkeiten“, stöhnt einer aus der NOK-Führung, „da muss mal jemand auf den Tisch hauen.“ Doch Steinbach ist im Urlaub. Derweil beginnt in Leipzig die Suche nach ein neuen Geschäftsführer. Denn Dirk Thärichen, der bei der nationalen Ausscheidung Leipzig zum Erfolg geführt hatte, wird in Sportkreisen nicht zugetraut, die Bewerbung auf internationaler Ebene allein voranzutreiben.

Der Zank um Personalien wirft ein Schlaglicht auf seit längerem bekannte Schwächen der Bewerbung. Gelähmt durch interne Streitigkeiten hat es Leipzig bislang nicht geschafft, sein Olympiakonzept ausreichend umzuarbeiten. Die Pläne sehen immer noch sportliche Wettbewerbe weit vor den Toren Leipzigs vor, etwa in Riesa oder in Dresden. Doch so weite Wege sind im Internationalen Olympischen Komitee nicht erwünscht. Funktionäre wie der Chef des Deutschen Sportbundes, Manfred von Richthofen, sehen Handlungsbedarf. „Die Probleme Riesa und Dresden müssen dringend gelöst werden“, sagte von Richthofen dem Tagesspiegel. Und Tiefensee räumt ein: „Man muss sich von etwas Liebgewordenem trennen, wenn es für den Erfolg notwendig ist.“ Auch die Bundesregierung drängt auf eine Verdichtung der Sportstätten. „Leipzig muss kompakte Spiele anbieten“, heißt es aus dem Innenministerium. Doch das Land Sachsen, das auf Aufbauhilfen auch außerhalb von Leipzig hofft, stellte sich lange quer.

Ein ähnlich gravierendes Problem sind die Hotels in Leipzig. Es gibt zu wenige. Derzeit kann die Stadt laut Thärichen 24500 Hotelbetten garantieren, für eine Olympiabewerbung werden 42000 verlangt. „Ich erwarte von der Hotelbranche, dass sie ihren Beitrag für Olympia großzügig leistet“, bittet Tiefensee. Nun gibt es in der Stadtverwaltung bereits Planungen, kommunale Häuser zu Hotels umbauen. Wer das allerdings bezahlen soll, ist offen. Thärichen sagt: „Wir haben ja noch Zeit bis Januar nächsten Jahres.“

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