Olympische Jugendspiele : Mehr Gefühle als Medaillen

Ein neues Sportfest wird vorgestellt: Die Olympischen Jugendspiele sollen Sportler weltweit verbinden – Berliner Schüler haben das erlebt.

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Von Olympia in die Welt. Das olympische Feuer wurde am Freitag in Griechenland tatsächlich für die Jugend der Welt entzündet. Station macht es in Berlin, Dakar, Mexiko-Stadt, Auckland und Seoul, also auf allen Kontinenten, bevor es nach Singapur kommt.
Von Olympia in die Welt. Das olympische Feuer wurde am Freitag in Griechenland tatsächlich für die Jugend der Welt entzündet....Foto: ddp

Berlin - Er hat es in der Tat gesagt. DOSB-Präsident Thomas Bach sprach Anfang der Woche in Berlin mit Blick auf die Premiere der Youth Olympic Games (YOG) in Singapur in drei Wochen die für einen Sportfunktionär ungewöhnlichen Worte, aus deutscher Sicht sei der Medaillenspiegel bei diesem Ereignis „überhaupt nicht wichtig“. 70 junge deutsche Athleten zwischen 14 und 18 Jahren werden bei den YOG, deren Aufnahme in den Veranstaltungskalender die IOC-Vollversammlung im Juli 2007 auf Vorschlag von Präsident Jacques Rogge beschlossen hatte, in 20 der 26 Sportarten an den Start gehen. Insgesamt sollen 3600 Sportlerinnen und Sportler aus allen 205 IOC-Mitgliedsländern näher an den olympischen Sport und dessen Werte herangebracht werden. Und vor allem Spaß und Freude haben, die Spiele genießen.

Es klingt wie der Wunsch danach, ein Korrektiv zu sein zu den mehr und mehr kommerzialisierten und professionalisierten Olympischen Spiele der Großen. Als Rogges Idee mit dem Votum des IOC von einer Vision zur Realität wurde, war die Zustimmung zunächst breit. In der Öffentlichkeit ist sie allerdings noch nicht so recht angekommen. Das soll sich am heutigen Samstag ändern, wenn am Brandenburger Tor der „Youth Olympic Day“ mit der YOG-Flamme, dem kompletten deutschen Team, Stars wie Basketballer Dirk Nowitzki und Bobpilot André Lange und vielen Mitmach-Angeboten gefeiert wird.

Auch abseits der Spiele sollen die YOG einen sportlichen und kulturellen Austausch zwischen jungen Menschen entstehen lassen. Für ein internationales Partnerprogramm wurden zwei deutsche Schulen ausgewählt – die Grundschule im thüringischen Zeulenroda und das Romain-Rolland-Gymnasium in Berlin-Reinickendorf, das 2007/08 mit dem Deutschen Schulsportpreis ausgezeichnet worden war. „Wir sind Ostern 2009 vom DOSB und der Deutschen Olympischen Akademie gefragt worden, ob wir nicht Interesse an diesem Projekt hätten“, erzählt Kerstin Deutschmann, Fachbereichsleiterin Sport am „RoRo“, wie sich das Berliner Gymnasium kurz nennt. „Mein Ja kam sofort“, sagt die 51-Jährige.

Ihre Schüler waren schnell begeistert von den Jugendspielen und begannen, Ideen zu entwickeln. Kurz nach dem Beschließen der Partnerschaft mit dem St. Andrew's Junior College in Singapur meldete sich das Informationsministerium des südostasiatischen Stadtstaates bei der Berliner Schule. Zwölftklässler Fabian Knaack nahm am Young Reporters Trainings Camp in Singapur teil, in dem 25 junge Altersgenossen im YOG-Austragungsort auf Entdecker-Tour gingen. „Die Schüler haben alles Mögliche gemacht, ihre Schul-Webseite mit Bildern und Berichten zu den Spielen, dem Projekt und über uns bestückt“, sagt Kerstin Deutschmann. „Dann ist unsere Partnerschule im Dezember 2009 mit 35 Schülern nach Berlin gekommen.“ Spätestens danach stand fest, sagt Deutschmann, „dass unsere Schulen über die YOG hinaus in Verbindung bleiben werden“.

Im April 2010 erfolgte der zehntägige Gegenbesuch der RoRo-Schüler in Singapur. „Die sonst auf Coolness festgelegten deutschen Schüler machten eine erstaunliche Wandlung durch. Sie hatten sich geöffnet und ein Stückchen Singapur-Mentalität angenommen. Das war Erziehung der Gefühle ohne Zeigefinger“, sagt Kerstin Deutschmann. „Die Schüler haben den Trip nach Singapur und die Partnerschaft als totale Bereicherung empfunden.“ Ihre Schüler, das hat die Lehrerin gespürt, bemühten sich darum, „davon selbst etwas anzunehmen und zurückzugeben“. Beim Youth Olympic Day vor dem Brandenburger Tor wollen sie heute davon erzählen und die Zuhörer mit ihrer Begeisterung anstecken.

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