Olympische Momente : Als Eric Heiden fünf Mal siegte

Im eigenen Land war der Eisschnellläufer aus Madison, Wisconsin, nahezu unbekannt - bis er 1980 in Lake Placid fünf Mal Gold gewann.

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Foto: dpa

Dianne Holum stand da wie ein römischer Cäsar im Circus Maximus. Sie drehte den Daumen nach oben, sie drehte ihn nach unten, aber sie entschied nicht über Leben und Tod von Gladiatoren, sie entschied über das Tempo von Eric Heiden. Der drehte 1980 seine Runden auf der Eisschnelllauf-Bahn von Lake Placid. Hielt seine Trainerin den Daumen hoch, hieß das: zu schnell. Daumen runter: zu langsam. Nach 10 000 Metern war Heiden auf jeden Fall der Schnellste, Gold in Weltrekordzeit. Sein fünftes Gold, noch nie hatte ein Eisschnellläufer bei Olympischen Spielen so viel gewonnen. Über 500, 1000, 1500 und 5000 Metern hatte der US-Amerikaner bereits triumphiert.

Und in den USA fragten sie: Eric wer? Sie kannten ihn nicht, dieses Kraftpaket aus Madison, Wisconsin. In den USA konnte man nur auf kommerziellen Anlagen trainieren oder auf zugefrorenen Seen; Eisschnelllauf war etwas für Exoten. Also quälte sich Heiden in Inzell für Lake Placid. Er hätte auch nach Norwegen gehen können, dort feierten sie ihn wie einen Popstar. In Oslo hatte er 1979 zum dritten Mal den WM-Titel im großen Vierkampf gewonnen und die Zuschauer derart beeindruckt, dass man danach in Norwegen mit seinem Foto auf Milchtüten warb. Eine Heiden-Biographie wurde gleich auch noch gedruckt.

US-Diplomaten in Skandinavien fielen die Heiden-Schlagzeilen auf, sie empfahlen ihrem Präsidenten, der möge doch bitte diesem Eisschnellläufer gratulieren, den zwar zu Hause niemand kannte, der aber im Norden Europas einen Hype ausgelöst hatte. In Wisconsin gab ausgerechnet der Klassenfeind die entscheidenden Hinweise auf Heiden. Russische Ringer, die dort auftraten, erkundigten sich nach dem Eisschnellläufer. Da bekamen sie auch in Wisconsin mit, dass es diesen Sohn eines Orthopäden aus Madison gab. Seine Eltern hatten den kleinen Eric schon als Zweijährigen auf Schlittschuhe gestellt. Eishockeyspieler Eric wechselte aber bald zum Eisschnelllauf.

Nach seinem Triumph von Lake Placid erfüllte sich Heiden noch einen anderen Traum. 1986 fuhr er bei der Tour de France. Er fuhr 18 Tage lang, dann musste er unfreiwillig aufgeben: Er war bei Tempo 70 gestürzt. fmb

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