Olympische Momente : Als Kramer patzt und Holland weint

Er war der überragende Favorit. Doch dann schlug sich Eisschnellläufer Sven Kramer im Verbund mit seinem Trainer im olympischen Finale über 10.000 Meter selbst.

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Sven Kramer war ziemlich wütend auf seinen Trainer. -Foto: Reuters

„Ich würde Sven Kramer gerne schlagen“, sagte der Russe Iwan Skorbew, Dritter über 5.000 Meter, „aber das ist unmöglich, er ist der beste Eisschnellläufer aller Zeiten.“ Stimmt, nur in einem Punkt irrte Skorbew. Einer konnte Sven Kramer aus Holland besiegen – sein eigener Trainer. Ein Drama auf dem Eis. 10 000-Meter-Lauf, das zweite Rennen von Kramer, über 5.000 Meter hatte er bereits gewonnen, jetzt lag er wieder uneinholbar vorne, da fuchtelte Gerard Kemkers, sein Coach, wild mit den Armen. Zieh auf die Innenbahn, signalisierte er, Kramer stutzte, zog dann aber nach innen – ein fataler Fehler, die falsche Bahn. Sven Kramer wurde disqualifiziert.

Das liest sich so einfach. In Wirklichkeit ist für ganz Holland auf unfassbare Weise eine Welt zusammengebrochen. Man muss wissen, wer Kramer in Holland ist: eine Ikone, ein Held, ein Superstar, einer, den Eisschnelllauf zum Millionär gemacht hat. Kramers Auftritte liefern Rekordquoten im Fernsehen. Und jetzt das. Auf der Ehrentribüne saß der holländische Kronprinz Willem-Alexander; er war der Verzweiflung nahe: „Mein Herz weint“, sagte er, und er sprach für Millionen holländischer Fans.

"Als würde Sidney Crosby ins eigene Tor treffen"

In Holland gab’s kein anderes Thema als Kramer. Selbst eine kanadische Tageszeitung schrieb: „Das ist, als würde Sidney Crosby in der Overtime ins eigene Tor treffen.“ Crosby ist der Superstar der kanadischen Eishockeynationalmannschaft. Kramer war außer sich vor Wut, er beschimpfte seinen Coach. Der leichenblasse Kemkers stammelte: „Für mich bricht eine Welt zusammen. Das ist der schlimmste Fehler meines Lebens.“

Später sprachen sich die beiden aus. Und Kramer dachte über den Tag hinaus. „Ich bin Olympiasieger, Weltmeister und Europameister mit ihm geworden“, sagter er. Sie bleiben zusammen. Olympiasieger über 10 000 Meter wurde im Übrigen der Südkoreaner Lee Seung-Hoon. „Ein geschenkter Sieg“, sagte er.

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