Olympische Momente : Last Man Standing

Weil vier Läufer stürzen, holt Steven Bradbury 2002 völlig überraschend die Goldmedaille im Shorttrack über 1.000 Meter. Der Australier gewinnt nie wieder ein großes Rennen, sein Name ist in seiner Heimat dennoch bis heute in aller Munde.

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Foto: p-a/dpaAFP

Schon vor den Winterspielen 2002 in Salt Lake City ist Apolo Anton Ohno die große Hoffnung der USA. Der in Seattle geborene Sohn einer Amerikanerin und eines Japaners soll ein Star, ein erst 19 Jahre altes Gesicht der Spiele werden. Ohno versteht es, sich und seine Sportart bestens zu vermarkten, er ist Werbemillionär. Seine Sportart heißt Short Track. Jener Sport, bei dem Eisläufer im Pulk um ein 111 Meter langes, enges Oval eiern und sich dabei tief in die Kurven legen. Rempeleien, kleine Schubser und Stürze gehören dazu. Das Duell in Salt Lake City lautet: Der asiatisch aussehende Amerikaner Ohno gegen die asiatische Übermacht in diesem Sport, sie kommt aus Südkorea.

Im Rennen über 1500 Meter fährt Ohno als Zweiter über die Ziellinie. Und gewinnt die Goldmedaille, weil das Kampfgericht in Salt Lake City den Südkoreaner Kim Dong Sung wegen einer Behinderung disqualifiziert. Es folgt das 1000-Meter-Rennen, wo sich Ohnos Gegnern die Chance zur Revanche bietet. Fünf Athleten treten an. Nur einer hängt vom Start weg zurück. Vor dem abgeschlagenen Australier Steven Bradbury wechselt ständig die Führung, auf den Tribünen kreischen nicht nur die Mädchen, die für Ohno schwärmen. Drei Runden vor dem Ende setzt sich Ohno an die Spitze, die er Kurve um Kurve behauptet, obwohl ihm die anderen drei buchstäblich auf die Pelle rücken. Die letzte Kurve, Ohno liegt vorn – bis eine falsche Bewegung im Knäuel eine Kettenreaktion auslöst, es reißt die vier Führenden aus der Bahn, sie krachen allesamt in die Bande. Allesamt? Innen fährt Steven Bradbury vorbei und gewinnt, er hatte genug Rückstand, um nicht in den Sturz verwickelt zu werden. Seitdem gibt es in Australien die Floskel „doing a Bradbury“, wenn jemandem entgegen aller Erwartungen etwas gelingt. Obwohl er nie wieder ein großes Rennen gewinnen wird, wird seine Autobiographie, natürlich, „Last man standing“ heißen.

Und Apolo Anton Ohno? Wird auch Erster, von denen, die hinter Bradbury durchs Ziel kriechen. Er ist auch in Vancouver dabei, über 1500 Meter hat er Silber gewonnen, seine sechste Olympiamedaille. 30 Meter vor dem Ziel hatte es noch nach einem Dreifacherfolg der Rivalen aus Südkorea ausgesehen. Doch dann stürzten zwei der Favoriten. klapp

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