OLYMPISCHE Postspiele : Die Marke für den Tag danach

Eigentlich wollte die Royal Mail schon am ersten Tag der Spiele 2012 das Sonderprogramm „London 2012“ starten: Jeder britische Goldmedaillen-Gewinner soll seine eigene Sonderbriefmarke erhalten – und zwar 24 Stunden, nachdem er auf dem obersten Siegertreppchen stand. Oder, noch besser: zur Lunchtime am nächsten Tag. Das Besondere dabei: „Die Marke wird den Moment zeigen, in dem der Sieg errungen wurde. Es ist eine beispiellose Aktion“, sprach die Sprecherin der Royal Mail bei der Vorstellung des ehrgeizigen Projekts. So etwas hat noch keine Post der Welt versucht.

Die Royal Mail hat einen Sondervertrag mit der Bildagentur Getty Pictures ausgehandelt und kann aus ihrem Fundus das Siegerfoto wählen. Dann wird es in eine vorbereitete Schablone eingefügt. Der Name des Team GB Athleten erscheint unter dem fetten Schriftzug „Goldmedaillengewinner“ zusammen mit der olympischen Disziplin. Dazu links die Silhouette der immer jugendlichen Queen und rechts, dezenter, das Logo der Londoner Spiele. Selbstverständlich handelt es sich um „First Class Stamps“ – Nennwert 60 Pence oder 77 Cent zur schnellen Beförderung erster Klasse. Die Briefmarken werden an 500 Postämtern im Land und natürlich über das Internet zu kaufen sein – bis Weihnachten und ohne Beschränkung der Auflage.

Goldman Sachs, Großbank und umstrittener Finanzdienstleister, hatte die Leistungen bisheriger Olympiagastgeber berechnet und daraus ein Modell der Olympia Medaillenökonomie erstellt. Der Heimvorteil schlägt dabei mit durchschnittlich 54 Prozent zu Buche. So tippte Goldman Sachs darauf, dass die Briten den dritten Platz im Medaillenspiegel belegen und mit 30 Goldmedaillen noch vor den Russen mit 25 Goldmedaillen liegen würden. Aber das war, bevor die Spiele richtig losgingen. 2008 in Peking hatten sich die Briten selbst mit einem vierten Platz hinter China, den USA und Russland und noch vor Deutschland überrascht und 47 Medaillen gewonnen, darunter 19 Mal Gold.

Nach dem Motto schneller, mehr und teuerer ist die Royal Mail ein Veteran im Olympiageschäft. Schon 1948 gab es Olympia-Sondermarken. 2006 wurde zum Zuschlag der Spiele eine Sonderserie herausgegeben, seit 2008 gab es jedes Jahr weitere Olympiamarken und einen weiteren Satz, es gab Sondermarken am 27. Juli und eine weitere Serie zum Start der Paralympischen Spiele. Die Marke für den Tag danach ist der neueste Clou.

Nun müssen die Goldmedaillen nur noch gewonnen werden. Am Samstag aber wurde nichts aus der für Radprofi Mark Cavendish vorgesehen Goldmedaille. Am Sonntag war Schwimmerin Rebecca Adlington die Hoffnung für Team Great Britain. 11,4 Millionen Briten verfolgten das Finale im 400 Meter Freistil – aber dann konnte sie ihren Olympiasieg von 2008 doch nicht verteidigen. Und für den Montag hatte die Royal Mail ihr Augenmerk auf den Wasserspringer Tom Daley und das Synchronspringen gerichtet. Matthias Thibaut, London

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