Sport : Olympische Ruhe

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Robert Ide über die Taktiker

zwischen Sport und Politik

Wieder hat einer aufgegeben bei Olympia in Leipzig. Zuerst Dirk Thärichen, der Geschäftsführer unter Stasi- und Betrugsverdacht, dann Michael Groß, der Botschafter mit dem angeblich zu hohen Gehalt, später Hermann Winkler, der CDU-Politiker im Vorwahlkampf sowie Wolfram Köhler, der Staatssekretär mit Bereicherungsvorwürfen. Doch all das war nur Vorspiel zum großen Schritt von Wolfgang Tiefensee. Leipzigs Oberbürgermeister will die SPD nicht in den sächsischen Wahlkampf 2004 führen. Das hat fatale Folgen für die schwache Landes- SPD. Aber scheinbar hat es auch gute Folgen: Ruhe für Olympia.

Wolfgang Tiefensee hat aus persönlichen Motiven nachgegeben. Zu stark hatte ihm sein politischer Konkurrent, Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU), im olympischen Aufsichtsrat zugesetzt. Tiefensee zog sich zurück, um nicht weiter beschädigt zu werden. Das war klug – auch für sein späteres Fortkommen.

Zu Tiefensees Rückzug passt eine andere Entwicklung, die den Sport derzeit beschäftigt: der lautlose Rückzieher von Klaus Steinbach. Der Chef des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) hat es offenbar aufgegeben, seinen Verband vor eine Machtprobe zu stellen. Die hätte es gegeben, hätte Steinbach seinen Plan, das NOK von Frankfurt am Main nach Berlin umzusiedeln, am Samstag den Mitgliedern zur Abstimmung gestellt. Nun, nach einem neuen Angebot Hessens und vielen lauten Gegenstimmen, stellt Steinbach seinen Plan zurück. Auch er schafft damit Ruhe für Olympia. Und für sich selbst.

Beide Rückzieher nützen Leipzigs Bewerbung zunächst. Denn sie verhindern Niederlagen der beiden wichtigsten Repräsentanten. Das bedeutet noch nicht, dass Leipzig das Rennen um Olympia 2012 gewinnt. Dazu sind Entscheidungen nötig, die nicht allein aus persönlichen Erwägungen getroffen werden.

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