Olympische Sommerspiele 2020 : Tokio zum zweiten Mal Olympia-Gastgeber

Tokio richtet im Jahr 2020 zum zweiten Mal nach 1964 die Olympischen Spiele aus und hat sich damit gegen Istanbul durchgesetzt. Der Präsident des Berliner Landessportbunds Böger bringt nochmals die Hauptstadt für die Sommerspiele 2022 ins Gespräch.

Und die Olympischen Sommerspiele 2020 gehen an.... Tokio!
Und die Olympischen Sommerspiele 2020 gehen an.... Tokio!Foto: AFP

Um 22.20 Uhr MESZ verkündete IOC-Präsident Jacques Rogge am Samstag im Hilton Hotel von Buenos Aires den Sieg der japanischen Hauptstadt, die sich bei der geheimen Abstimmung auf der 125. Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees gegen Mitbewerber Istanbul durchsetzte. Madrid war mit seiner Kandidatur bereits im ersten Durchgang in einer Stichwahl an Istanbul gescheitert. Zuvor hatten beide Städte mit 26 die gleiche Anzahl an Voten erhalten.

Mit der Wahl der 35-Millionen-Metropole in Fernost entschieden sich die Olympier bei der Risiko-Wahl des Olympia-Gastgebers in sieben Jahren für politische Sicherheit. Istanbul scheiterte bereits zum fünften Mal mit seiner Bewerbung, Madrid ging schon zum dritten Mal leer aus.

Mit einem leidenschaftlichen Appell auf der abschließenden Präsentation war es den Japanern gelungen, die Sicherheitsbedenken der Olympier für die Wahl der 35-Millionen-Metropole wegen des Atomunglücks in Fukushima auszuräumen. „Lassen sie mich ihnen versichern. Die Situation ist unter Kontrolle. Sie hat noch nie und wird nie Schaden in Tokio anrichten“, erklärte Premierminister Shinzo Abe. Das gefährdete Gebiet um Fukushima würde sich auf eine Fläche von 0,3 Quadratkilometer beschränken und die sei abgesichert.

Tokio 2020 pries vor allem sein kompaktes Sportstättenkonzept in zwei Zonen. 85 Prozent der Wettkampfstätten liegen in einem Radius von nur acht Kilometern zum olympischen Dorf. Die Kandidatur stütze sich auf einen fest angelegten Reserve-Fonds in Höhe von 4,5 Milliarden Dollar. Bewerbungschef Masato Mizuno versprach den IOC-Mitgliedern zudem die „höchsten TV-Einschaltquoten der Olympia-Geschichte“.

Das IOC lobt Tokios gute Verkehrsinfrastruktur

15 Arenen in und um die japanische Hauptstadt sind bereits vorhanden, elf sollen neu gebaut werden. Tokio will auf zehn temporäre Anlagen zurückgreifen. Das neue Olympiastadion soll auf der Anlage des Stadions von 1964 entstehen. Das Internationalen Olympischen Komitees (IOC) bescheinigt Tokio eine „kompakte Konzeption“ mit guter Verkehrsinfrastruktur.

Die anderen Kandidaten Madrid und Istanbul hatten die Bedenken an ihrer Bewerbung am Ende nicht zerstreuen können. Der türkische Premierminister Recep Tayyip Erdogan bemühte sich vergeblich, die Zweifel über die kritische innenpolitische Lage und die Nähe zum Bürgerkrieg im benachbarten Syrien vom Tisch zu wischen.

Stimmungsvolle Filme hatten bei Istanbuls fünfter Bewerbung das Hauptargument als Brücke zwischen Europa und Asien betont.

Sportstätten in Europa und Asien würden dem IOC neue Märkte erschließen, auch für künftige Generationen, sagte Istanbuls Bewerbungschef Hasan Arat. Doch die Strategie zog ebenso wenig wie das Konzept Madrids, mit einem Etat in Höhe von 1,9 Milliarden Dollar eine Art Gegenentwurf zum olympischen Gigantismus zu präsentieren.

Premierminister Mariano Rajoy hatte sich bemüht, überzeugende Argumente gegen die spanische Wirtschaftskrise und eine Arbeitslosenquote von 26,3 Prozent zu finden. „80 Prozent der notwendigen Investitionen sind bereits getätigt. Wir können diese Spiele ohne jegliches Risiko für die olympische Bewegung abliefern“, proklamierte Rajoy. „Wir sind auf dem Weg uns wirtschaftlich zu erholen. Madrid macht mehr Sinn denn je“, sagte Rajoy, der Unterstützung von Spaniens Kronprinz Felipe erhielt.

Nach der Niederlage gegen Tokio ist Istanbul ein großer Favorit auf die Ausrichtung der Halbfinals und des Endspiels der Fußball-EM 2020. Der Deutsche Fußball-Bund hatte bereits zuvor angekündigt, in dem nun eingetretenen Fall eine eigene Final-Bewerbung mit München als Spielort zugunsten der Türken zurückziehen zu wollen und sich nur um Gruppenspiele und ein K.o.-Duell zu bemühen.

Böger bringt Berlin für die Olympischen Sommerspiele ins Spiel

Der Sieg Tokios dürfte die Chancen Münchens für eine Winterspiel-Bewerbung für 2022 erhöhen. Ende September will der Deutsche Olympische Sportbund über eine Bewerbung entscheiden. Klaus Böger, Präsident des Landessportbunds Berlin, brachte aber noch einmal die Hauptstadt ins Gespräch: „Unabhängig von einer weiteren Münchener Bewerbung um Winterspiele sollte Deutschland ebenfalls einen erneuten Versuch im Sommer wagen. Berlin stünde bereit, wenn der deutsche Sport es denn will.“

Bereits seit Monaten finden regelmäßig Koordinierungssitzungen mit Vertretern der vier vorgesehenen Olympia-Orte München, Garmisch-Partenkirchen, Ruhpolding und Königssee und einem DOSB-Repräsentanten statt. Bis zum 14. November müssen die Kandidatur und eine erste Gebühr beim IOC eingereicht werden. Tokio hat all diese Hürden bereits erfolgreich gemeistert. (Tsp/dpa)

24 Kommentare

Neuester Kommentar