Olympische Spiele : Berliner Bewerbung für Olympia 2020 beendet

Berlin hat die Entscheidung des deutschen Sports, die Bewerbung Münchens für Olympische Winterspiele 2018 zu unterstützen, bedauert. "Damit ist das Angebot von Hamburg und Berlin, Olympische Sommerspiele im Jahr 2020 auszurichten, im Prinzip vom Tisch", sagte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit.

Hans-Rüdiger Bein,Kirsten Baukhage[dpa]

BerlinBerlins Ober-Olympionike Klaus Wowereit (SPD) reagierte mit ehrlicher Enttäuschung auf das vorzeitige olympische Aus für die Hauptstadt. Nach der Entscheidung des deutschen Sports, eine Bewerbung Münchens für die Winterspiele 2018 zu favorisieren und damit faktisch die Olympia-Träume Hamburgs und Berlins für lange Zeit zu beenden, sagte Berlins Regierender Bürgermeister am Dienstag: "Wir nehmen die Entscheidung des Deutschen Olympischen Sportbundes, München zu einer Kandidatur aufzufordern, mit Bedauern zur Kenntnis." Fast trotzig ergänzte Wowereit, der seit Jahren intensiv um die Spiele für Berlin kämpft und wirbt: "Berlin wäre fit für Olympia." Aber mit dem Beschluss der Sportführung sei "das Angebot von Hamburg und Berlin für Sommerspiele 2020 in Deutschland im Prinzip vom Tisch".

Nach drei vergeblichen Anläufen seit 1990 knabbert die politische Führung in Berlin doch schwer an dieser sportlichen Vorentscheidung zu Gunsten von München. Die glänzende Vorstellung Berlins als "Hauptstadt" und Final-Stadt der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 hatte noch einmal neue Hoffnung genährt, zum zweiten Mal nach 1936 Schauplatz der Sommerspiele werden zu können. Doch nun sprach Wowereit als größter Verfechter dieser Idee bemüht tapfer das Schlusswort: "Berlin wünscht im sportlichen Geist München nun alles Gute." Er denke aber nicht, die Bereitschaft Berlins grundsätzlich zurückzuziehen. Wowereit sagte: "Im Gegenteil, Berlin könnte es nach wie vor." Es sei letztlich der Olympische Sportbund selbst gewesen, der sich mit dieser Arithmetik gegen Sommerspiele entschieden habe.

Chancen für Sommerspiele in Europa gering

Begonnen hatte der langjährige Wettlauf Berlins um Olympia II in der Hauptstadt - nach dem Missbrauch der Spiele durch die Hitler- Diktatur - im Jahr 1990 mit der Bewerbung um die Jahrhundertspiele 2000. Berlin scheiterte desaströs und kam am 23. September 1993 im zweiten Wahlgang des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in Monte Carlo auf gerade einmal neun Stimmen. Zuvor hatten mehrere Skandale um die Bewerbungsmethoden der einmal komplett ausgewechselten Geschäftsführung der Olympia GmbH die Stadt sportpolitisch in schweren Misskredit gebracht.

Nach einer längeren Besinnungsphase versuchte sich Berlin erneut, diesmal für 2012, als möglicher deutscher Ausrichter. Im nationalen Vergleich setzte sich jedoch Leipzig durch, das später kaum weniger deutlich als einst Berlin scheiterte. Im dritten Versuch, nun für Sommerspiele 2016 oder eventuell 2020, war Hamburg der nationale "Gegner". Doch die internationalen Schachzüge in den IOC-Gremien führten letztlich dazu, dass baldige Sommerspiele nach der Vergabe an London 2012 in Europa so gut wie keine Chancen haben. So wurde die Konzentration der deutschen Olympier fast logisch auf die weit offenere Winter-Wahl gelenkt. Da aber hat Berlin bekanntlich, trotz eines einmal auf Kunstschnee ausgetragenen Weltcup-Skirennens, absolut nichts zu bieten.

Berlin ist gut vorbereitet

Dabei hatte sich die Hauptstadt mit ihren Sommer-Hoffnungen diesmal viel besser als früher auf Olympia vorbereitet. Der Bau der Max-Schmeling-Halle sowie der ebenso internationalen Ansprüchen gerecht werdenden Schwimmhalle an der Landsberger Allee hatten klare Zeichen gesetzt. Auch die 242 Millionen Euro teure Grundsanierung des Olympiastadions hatte in der Sportwelt viel Aufmerksamkeit erfahren. Bei der WM erntete Berlin weltweit Lob für die reibungslose Ausrichtung von Top-Spielen mit Ex-Weltmeister Brasilien, für das aufregende Viertelfinale Deutschland - Argentinien und das via TV von gut 1,5 Milliarden Menschen verfolgte Endspiel zwischen Frankreich und dem neuen Weltmeister Italien. Beste Perspektiven als international beachtete Sportstadt versprach sich Berlin auch als Ausrichter der Leichtathletik-WM 2009.

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