Olympische Spiele : Ticket-Chaos in Peking: Nicht genügend Karten für Deutsche

Nach Klagen über extreme Luftverschmutzung und Ärger um Menschenrechte geraten die Olympia-Organisatoren wegen zu wenigen Tickets in die Schusslinie. Fern jeder Kritik bewegen sich dagegen die Kartenpreise.

Sven Busch[dpa]
Feier Olympia Countdown Foto: dpa
Bunte Bilder von der Feier zum Olympia-Countdown ein Jahr vor Beginn der Spiele. Auch von der richtigen Eröffnungsfeier bekommen...Foto: dpa

HamburgEin drohendes Ticket-Chaos hat den Olympia-Machern von Peking den nächsten Ärger beschert: Deutlich reduzierte Kartenkontingente für Nationale Olympische Komitees (NOK) und offizielle Reiseveranstalter haben die olympische Vorfreude trotz versprochener Schnäppchenpreise getrübt. Nach Bestätigung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) hat der deutsche Reiseveranstalter "Dertour" statt der gewünschten 35.000 Tickets bisher weniger als die Hälfte bestätigt bekommen. "Wir haben mit den Organisatoren über die Kartenverteilung gesprochen und gehen davon aus, dass die Verteilung nachgebessert wird. Das ist auch dringend nötig", sagte DOSB-Generaldirektor Michael Vesper, gleichzeitig Chef de Mission.

Tatsächlich hat Vesper bereits sanften Druck auf das Olympische Organisations-Komitee von Peking (BOCOG) ausgeübt. Dem DOSB wurden zum Beispiel für die lukrativen Schwimm-Wettbewerbe bisher nur vier Karten zugesagt. Ähnlich mau sieht es bei der Eröffnungs- und Schlussfeier aus. Für bestimmte Wettbewerbe sollen die deutschen Olympia-Touristen sogar nur Vorrundenkarten erhalten.

"Wir machen uns ernsthaft Sorgen"

Knapp ein Jahr vor Beginn der Spiele scheint es anderen NOKs ähnlich zu gehen. "Nach meinen Informationen hat BOCOG bisher erst insgesamt 200.000 Karten den verschiedenen Ländern zur Verfügung gestellt. So was habe ich noch nie erlebt. Es ist total chaotisch. Wir machen uns ernsthaft Sorgen", sagte Frank Jungemann vom Düsseldorfer Sportreise-Spezialisten "Vietentours", "für die deutschen Olympia-Touristen könnte es einen Engpass geben." Bei "Vietentours", das Karten von offiziellen Vertriebspartnern der NOKs anderer EU-Länder anbietet, schrillen die Alarmglocken.

Andere Reiseunternehmer in den USA und Kanada haben angesichts der unsicheren Kartenlage sogar schon Hotelreservierungen zurückgezogen. In Deutschland werden Olympia-Tickets über den Reiseveranstalter "Dertour" vertrieben. Seit Mai ist ein Sonderkatalog auf dem Markt, aber die schlechte Nachricht aus der chinesischen Hauptstadt hat auch beim Frankfurter Reiseveranstalter Unruhe ausgelöst. "Diese Situation mit Olympia-Karten hatten wir in der Vergangenheit noch nie. BOCOG hat erst drei Monate nach der vorgegeben Frist den Eingang unserer Kartenwünsche bestätigt", erklärte Tom Rostek, bei "Dertour" Projektleiter für Sportreisen, "wir werfen die Flinte noch nicht ins Korn und werden versuchen, ein zusätzliches Kartenkontingent zu bekommen."

Vesper setzt sich für baldige Abhilfe ein

Vesper soll es richten. Der Sportpolitiker aus Frankfurt, in der vergangenen Woche erstmals in Peking, will mit Hilfe von NOK-Kollegen anderer Länder die prekäre Kartensituation so schnell wie möglich entwirren. Neben der Luftverschmutzung und der medialen Dauerschelte wegen Menschenrechtsverletzungen kommt BOCOG dieses olympische Ärgernis höchst ungelegen. Vor allem, weil die billigen Ticket-Preise bisher perfekte Eigenwerbung waren. Karten gibt es schon für fünf Euro, die teuersten Angebote für sportliche Wettbewerbe liegen bei 108 Euro. Selbst die Tickets für die begehrte Eröffnungs- und Schlussfeier kosten "nur" zwischen 108 Euro und 587 Euro, in etwa die Hälfte von Athen.

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