Olympische Winterspiele 2014 : Pyeongchang mit bester Vornote

Die südkoreanische Stadt Pyeongchang geht mit der besten Vornote in den Dreikampf um die Olympischen Winterspiele 2014 mit seinen europäischen Konkurrenten Salzburg und Sotschi.

Südkorea
Der Gipfel des Balwang, eines 1.457 Meter hohen Berges bei Pyeongchang in Südkorea.Foto: ddp

Lausanne - Der vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) veröffentlichte Prüfbericht seiner Evaluierungskommission bescheinigt Pyeongchang ein "hervorragendes Konzept" ohne wesentliche Einschränkung. Der Report über die technischen Voraussetzungen eines Bewerbers ist eine wesentliche Grundlage für die Vergabe der 22. Winterspiele durch die IOC-Vollversammlung in genau vier Wochen in Guatemala-Stadt. Salzburgs Kandidatur mit der Bob- und Rodelbahn am Königsee wurde ebenfalls als "hervorragend" ausgezeichnet, erhielt aber Abzüge in den Bereichen Unterkunft und Sicherheit. Sotschi musste sich mit einem "sehr gut" begnügen.

"Wir sind erfreut, dass die IOC-Evaluierungskommission unsere Bewerbung so wohlwollend befunden hat", erklärte Han Seung-Soo, der Vorsitzende von Pyeongchangs Bewerbungskomitee, "wir sind besonders glücklich, dass die unabhängigen Untersuchungen des IOC die hohe Unterstützung der südkoreanischen Öffentlichkeit bestätigt hat." Ein unabhängiges Institut hat einen Zuspruch von 91 Prozent unter Pyeongchangs Bevölkerung ermittelt. In der Mozart-Stadt hat die Meinungsumfrage dagegen Niedrigwerte ergeben - in Salzburg eine Zustimmung von nur 42 Prozent, in Österreich wenigstens 61 Prozent. "Der Bericht fiel gut aus. Ich bin zufrieden, die wichtigsten Punkte haben wir alle rübergebracht", resümierte Salzburgs Bürgermeister Heinz Schaden, "dass Salzburg deutlich mehr kritisiert wurde als Pyeongchang sehe ich nicht so. Ich fürchte mich nicht, diese Punkte wurden schon beim Besuch der Kommission angesprochen."

Nordkorea ist keine Bedrohung

Salzburg galt lange Zeit als Favorit im Rennen um die lukrative Imagepolitur. Der 86-seitige Report der Prüfkommission, angeführt vom japanischen Vizepräsidenten Chihara Igaya, schätzt den Olympia-Etat der Salzburger (965 Millionen Dollar) als zu gering ein und sieht zudem Defizite in der Unterbringungskapazität. Bereits bei der Wahl für die Winterspiele 2010 hatte Salzburg gegenüber Pyeongchang das Nachsehen. Im Wahlfinale fehlten den Südkoreanern dann lediglich zwei Stimmen zum Sieg über den hohen Favoriten Vancouver. Vier Jahre nach den Winterspielen in Vancouver (2010) und acht Jahre nach Turin (2006) scheinen auch geopolitische Erwägungen für Pyeongchang zu sprechen, denn erst zwei Mal (1972 Sapporo, 1998 Nagano) war Asien
Gastgeber des olympischen Spektakels auf Eis und Schnee.

Erfahrungsgemäß hat ein Evaluierungsbericht eine wichtige, aber keine entscheidende Funktion bei der Vergabe Olympischer Spiele. Bezeichnend für die freundliche Bewertung Pyeongchangs sind die Aussagen zur Sicherheitslage in den drei Städten. Zwar wird bestätigt, alle könnten "sichere, friedvolle Spiele" veranstalten, aber die unmittelbare Nähe zur neuen Atommacht Nordkorea wird nicht als Bedrohung verstanden, sondern als Chance für "Frieden, Harmonie und Versöhnung" auf der koreanischen Halbinsel.

Putin will die Spiele nach Russland holen

Mit Reserven betrachtet die Evaluierungskommission unterdessen die russische Bewerbung. Alle Wettkampfstätten müssten laut Bericht neu hergestellt werden. Der Bewerber selbst war von sieben neuen und vier bereits bestehenden Wettkampfstätten ausgegangen. Einschränkend weisen die IOC-Prüfer auf Umweltgefährdungen hin, besonders auf mögliche Probleme bei der geplanten Verkehrsverbindung vom Schwarzmeer-Ort Sotschi hoch zur Skiregion im Kaukasus. Dabei befürchtet das IOC "robuste Eingriffe". Größter Förderer der russischen Bewerbung ist Präsident Wladimir Putin, der mit seiner Regierung die Gesamtkosten von über 10 Milliarden Dollar garantiert. Allein 8,8 Milliarden Dollar sind für die Infrastruktur eingeplant. Der Olympia-Etat beträgt 1,5 Milliarden Dollar.

Da die IOC-Mitglieder seit 1999 nicht mehr selbst die Kandidatenstädte besuchen können, spielt die Präsentation vor der
Vollversammlung eine größere Rolle. Bei der schwer zu kalkulierenden Wahl scheidet zunächst der Bewerber mit den wenigsten Stimmen aus. Entscheidend wird sein, wohin dessen Stimmenpaket dann wandert. Das IOC-Votum hat auch einen Reflex auf die deutschen Olympia-Ambitionen. Sollten die Winterspiele nach Asien gehen, ist zu erwarten, dass der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) sich mit München für die Winterspiele 2018 bewerben wird. (Mit dpa)

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