Sport : Olympische Winterspiele: Rückkehr eines tragischen Helden

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Es ist ein schmaler Grat zum Wahn. Und es hätte nicht am gleichen Tag, an dem Picabo Streets olympischer Schutzhelm fotografiert wurde, Bill Johnson in Salt Lake City auftauchen müssen. Als Beleg für diese These. Johnson ist nach Utah gekommen, weil er hoffte, das olympische Feuer entzünden zu dürfen. Noch immer gilt es als größte Sensation, wie ein Beachboy aus Kalifornien im Winter 1984 Österreich, das Land der Skifahrer, gedemütigt und Nationalheros Franz Klammer als "nosepicker" (Nasenbohrer) beleidigt hat.

Salt Lake City 2002 Fotostrecke:
Die Olympischen Winterspiele - erste Impressionen
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Salt Lake City sowie weitere Sportmeldungen. Ganz gewiss hat Bill Johnson den Menschen und ganz besonders allen Reportern, die ihm am Freitag im Reese Eccles-Stadion begegnet sind, erzählt, dass man sich eigentlich erst sonntags in Snow Basin getroffen hätte. Wieder als Olympiasieger. Diese Idee hat den mittlerweile 41 Jahre alten Johnson über alle Schicksalsschläge getragen: sein Kind ist vor ein paar Jahren während einer Party in einem Whirlpool ertrunken, vergangenen Winter lief ihm die Frau davon. Bei seinem Comeback, das ihn wieder ins US-Skiteam bringen sollte (er trug dabei seinen Rennanzug aus Sarajewo), gab es einen furchtbaren Unfall - über Monate hinweg lag er im Koma. Seither hat er die letzten zehn Jahre vergessen. "Ich bin 41, aber ich fühle mich wie 31", erklärte er dieser Tage der "Salt Lake Tribune", und dass sein Beruf Skirennfahrer sei.

Vielleicht hat der Gedächtnisverlust auch sein Gutes. Johnson kann nicht begreifen, wie er, der Olympiasieger, der aus der Gosse gekommen war, eine Traumkarriere zu Bruch gefahren hat. Allen anderen kann man es so erklären: Bill Johnson wollte überall und immer schnell sein. Dreimal raste er mit über 100 Sachen durch Venice. Dreimal ließen die Cops den Sportstar laufen. Beim vierten Mal konfiszierte der Staat Kalifornien den Porsche des Olympiasiegers.

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