Sport : Olympischer Ungeist

Friedhard Teuffel gratuliert Singapur nicht zu den olympischen Jugendspielen

Friedhard Teuffel

Gestern sind wieder einmal Olympische Spiele vergeben worden. Mit etwas weniger Tamtam als sonst. Es ging schließlich nur um die olympischen Jugendspiele, die Neugeburt der olympischen Familie. Aber Singapur, das die Jugendspiele nun als erstes aufziehen darf, scheint sich dennoch fast so zu freuen, als wenn es die großen Spiele gewonnen hätte. Vielleicht war auch genau das die Absicht: sich mit der Jugendolympia zu empfehlen für die Olympischen Sommerspiele.

Gerade deshalb ist diese Wahl gescheitert. Denn die Jugendspiele sollen etwas ganz anderes werden, sie sollen Jugendliche zusammenbringen und ihnen Werte wie Fairness und Toleranz vermitteln, eine Art Jugendlager mit angeschlossenem Wettbewerb. Das scheint Singapur jedoch nicht ganz verstanden zu haben. Die Stadt schwärmt vom olympischen Feuer, das in ihre Stadt kommt.

Dass die Wahl schief gelaufen ist, das ist jedoch nicht die Schuld Singapurs. Das Internationale Olympische Komitee hat einfach die falsche Reihenfolge gewählt und den Ausrichter bestimmt, bevor es erklärt hat, wie die Jugendspiele eigentlich genau aussehen sollen. So konnten die Bewerber gar nicht erklären, welchen Beitrag sie zur olympischen Erziehung leisten wollen. Außerdem muss IOC-Präsident Rogge erst noch die eigenen Mitglieder von der Idee der Jugendspiele überzeugen. Von ihnen wollen nämlich einige bei den Jugendspielen noch Nationalhymnen und Flaggen sehen, als ob es nichts Wichtigeres gäbe bei einer internationalen Veranstaltung.

Ein Gutes hat die Entscheidung für Singapur: Zur Wahl stand noch Moskau. Die Russen haben mit gekauften Stimmen die Winterspiele 2014 nach Sotschi geholt, wo noch keine olympiareife Sportstätte steht. Dieser neue olympische Geist bleibt den Jugendlichen immerhin erspart.

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