Olympisches Fußballturnier : Spanische Pässe ins Debakel

Nach schwachen Leistungen und zwei 0:1-Niederlagen gegen Japan und Honduras scheitert Spanien beim Fußballturnier der Männer bereits in der Vorrunde – Großbritannien muss noch zittern.

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Kopf und Aus. Spaniens Spieler um Europameister Jordi Alba (links) können den Kopfballtreffer von Jerry Bengtson nicht verhindern. Nach dem 0:1 gegen Honduras hat Spanien beim Fußball keine Chance mehr auf die Goldmedaille.
Kopf und Aus. Spaniens Spieler um Europameister Jordi Alba (links) können den Kopfballtreffer von Jerry Bengtson nicht verhindern....Foto: dapd

Um seiner Enttäuschung Ausdruck zu verleihen, wählte Javi Martinez eine Redewendung von der Straße. „Wir sind am Arsch“, sagte der Kapitän der spanischen Olympiaauswahl in die Kameras. Man hätte das sicherlich eleganter formulieren können, treffender aber kaum. Spanien, neben Brasilien als großer Goldfavorit beim olympischen Fußballturnier der Männer gehandelt, ist bereits ausgeschieden. Nach einer 0:1-Niederlage gegen Honduras, der zweiten Pleite im zweiten Gruppenspiel. Schon zum Auftakt hatte es ein 0:1 gegen Japan gegeben. Das letzte Vorrundenspiel am Mittwoch gegen Marokko ist bedeutungslos geworden, Spanien kann das Viertelfinale nicht mehr erreichen.

Gescheitert in der Gruppenphase, noch dazu an Fußball-Leichtgewichten wie Japan und Honduras, Spaniens Sportpresse sprach von einer Blamage: „Die Olympiaauswahl hat versagt, dafür gibt es keine Ausreden“, schrieb die Zeitung „El mundo deportivo“. Und weiter: „Das Schlimmste ist das Bild, das abgegeben wurde.“ Gemeint war damit vor allem Iker Muniain, der den Schiedsrichter anrempelte und nachträglich vom Weltverband Fifa bestraft werden könnte. Während des Spiels hatte Muniain nur die Gelbe Karte bekommen, so wie sechs seiner Mitspieler auch. Dazu soll es zur Pause im Spielertunnel zu einem Handgemenge gekommen sein.

Die Spanier wurden in der Schlussphase nervös. Wie gegen Japan hatten sie auch gegen Honduras die erste Halbzeit verschlafen, und nach dem Seitenwechsel wollte der Ball einfach nicht ins Tor. Drei- mal klatschte er an Pfosten oder Latte, dazu gab es zwei strittige Situationen, in denen der Schiedsrichter auf Elfmeter für Spanien hätte entscheiden können.

„So etwas ist mir noch nie passiert“, sagte Martinez. Verlieren ist er mit dem Nationalteam nicht gewohnt. Martinez war vor einem Monat in Polen und der Ukraine dabei, als die A-Mannschaft ihr historisches Triple aus EM-, WM- und EM-Titel gewann. In der Heimat hatten sie anschließend auch vom Triumph in London geträumt. Bei Olympia konnte Spanien aber nicht auf die Fähigkeiten seiner Stars Iker Casillas, Xavi oder Andres Iniesta vertrauen. Um kein Konkurrenzturnier zur Weltmeisterschaft entstehen zu lassen, erlaubte die Fifa lange nur Spielern, die nicht älter als 23 Jahre alt sind, die Teilnahme an Olympia. Inzwischen hat die Fifa die Regel gelockert, pro Team dürfen drei ältere Spieler mitmachen.

Bei Spanien ist nur Juan Mata vom FC Chelsea ein Jahr älter als erlaubt, er sollte gemeinsam mit den zwei anderen Europameistern Javi Martinez und Jordi Alba auch die Olympiaauswahl zum Sieg führen. Aber Mata ist müde, auch Außenverteidiger Alba wirkt lange nicht mehr so agil wie vor vier Wochen. Die endlosen Passstafetten, Spaniens Markenzeichen, wollten kaum gelingen. Bei Martinez kommt dazu, dass Wechselgerüchte nicht unbedingt zur Steigerung seiner Konzentration beigetragen haben dürften. Der FC Barcelona und Bayern München sind an dem Mann von Athletic Bilbao interessiert.

Als Entschuldigung für das frühe Ausscheiden taugt die Formkrise der drei EM-Fahrer aber nicht, Spanien hat immer noch genügend Klasse im Aufgebot. In Person von David de Gea etwa, dem jungen Torhüter von Manchester United oder Martin Montoya, der demnächst beim FC Barcelona Brasiliens Dani Alves beerben soll. Auch Gladbachs neuer Verteidiger Alvaro Dominguez war dabei.

Nach Spaniens Debakel scheint der Weg frei für Brasilien. Mit ihrem neuen Sternchen Neymar stehen die Südamerikaner nach zwei Siegen im Viertelfinale. Großbritannien hat dagegen gegen Uruguay am Mittwoch ein echtes Endspiel. Bei einer Niederlage wären die Gastgeber raus. Genügend Straßenflüche hätten die Briten für ihr Team dann sicher parat.

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