Sport : Olympisches Ringen

Die Leipziger Bewerbung wartet auf die Wirtschaft, der DSB-Präsident spricht von „schlechtem Management“

Friedhard Teuffel

Berlin. Im Haushalt der Leipziger Olympiabewerbung wird bald ein Posten dazukommen: das Gehalt des neuen ersten Geschäftsführers Michael Groß. Dass der Schwimm-Olympiasieger das Gesicht der Bewerbung werden soll, wird er sich sicher gut bezahlen lassen. Vielleicht mit einem Jahresgehalt von 350 000 bis 400 000 Euro. Von den Einnahmen des Bewerbungskomitees ist dagegen noch nicht viel zu hören gewesen, und Manfred von Richthofen, Präsident des Deutschen Sportbundes (DSB) und Aufsichtsratsmitglied des Bewerbungskomitees, fragt: „Was wurde denn bisher überhaupt eingeworben?“

Es sind 1,5 Millionen Euro, die regionale Unternehmen bezahlt haben. Von den deutschen Großunternehmen kam bislang noch nichts, „es gibt ja auch noch nicht einmal ein Logo“, sagt von Richthofen ein wenig spöttelnd. Genau das sei aber die Erklärung, sagt Mike de Vries, Geschäftsführer des Bewerbungskomitees. Wenn erst einmal das Logo vorgestellt sei, werde sich vieles von selbst ergeben. „Es gibt vier, fünf, sechs Unternehmen, die bereit sind, ein nationales Paket zu erwerben. Wir hoffen darauf, schon in der nächsten Woche Abschlüsse treffen zu können“, sagt de Vries und hält als Zwischenbilanz fest: „Bei der Vermarktung sind wir vollkommen im Plan.“

Ein nationales Paket, das sind die Rechte, mit dem Logo werben und sich offizieller Förderer der Olympiabewerbung nennen zu dürfen. 500 000 Euro kostet ein solches Paket. Die Leipziger hoffen darauf, mindestens die Hälfte ihres Etats für die internationale Bewerbung von der Wirtschaft zu bekommen. Das wären fünfzehn Millionen Euro. Was die Unternehmen nicht bezahlen, übernehmen vor allem der Freistaat Sachsen und die Stadt Leipzig. Den Anfang von 1,5 Millionen Euro findet de Vries beachtlich, „weil die Unternehmen im Moment noch nicht einmal in der Bewerbung vorkommen“.

Das werden sie erst richtig, wenn das Logo vorgestellt ist. Am 18. Oktober befindet der Aufsichtsrat darüber, in der darauffolgenden Woche soll es dann öffentlich präsentiert werden. Drei Monate haben sich die Leipziger mit ihrem Logowettbewerb Zeit gelassen, „weil es wirklich perfekt sein muss“, wie de Vries sagt. „Natürlich wollen die Unternehmen sehen, in welches Produkt sie investieren.“ Von Richthofen ist sich aber nicht sicher, ob de Vries überhaupt weiter für die Sponsorensuche verantwortlich sein wird. „Michael Groß wird sich als neuer Geschäftsführer doch um das Marketing kümmern. Da ist er ja Experte.“ Der DSB-Präsident kann sich daher gut vorstellen, dass de Vries dann zur Deutschen Sport- Marketing GmbH wechselt. Dieser Wechsel steht schon fest, seitdem de Vries am 1. Juli im Bewerbungskomitee angefangen hat. Nur den Zeitpunkt hatte der Aufsichtsrat offen gelassen.

Die Suche nach Unterstützung aus der Wirtschaft wird de Vries zurzeit auch durch Personaldiskussionen erschwert. Gestern trat der Vorsitzende des Wirtschafts-Fördervereins „Rostock Olymp Club“, Harald Lochotzke, zurück. Ihm war vorgeworfen worden, Inoffizieller Mitarbeiter des DDR-Staatssicherheitsdienstes gewesen zu sein. Rostock ist potenzieller Austragungsort für die olympischen Segelwettbewerbe. Am Wochenende war bekannt geworden, dass sich de Vries’ Geschäftsführerkollege Dirk Thärichen 1989 zum Wehrdienst beim Wachregiment „Feliks Dzierzynski“ verpflichtet hatte, das dem Ministerium für Staatssicherheit unterstand. „Wir sind in einem weiteren Tief angekommen“, bewertet von Richthofen die Lage und sieht Parallelen zur gescheiterten Bewerbung Berlins um die Spiele 2000. Auch damals habe es „schlechtes Management“ gegeben.

Welche Rolle Thärichen im Leipziger Bewerbungskomitee weiter spielen wird, welche Aufgabe de Vries übernimmt und welche Bereiche Groß an sich ziehen kann, soll ebenso bei der Aufsichtsratssitzung am 18. Oktober behandelt werden wie die so genannten Sofortmaßnahmen. Das sind Infrastrukturmaßnahmen in Leipzig und im Umland für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 und die Olympischen Spiele in Höhe von etwa 300 Millionen Euro. Bis zur Aufsichtsratssitzung hofft auch Geschäftsführer de Vries auf Präsentables: „Wir müssen die Bewerbung einfach mal Ergebnisse schaffen lassen.“

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