Sport : Opfer des eigenen Erfolgs

Stefan Hermanns über die Pfiffe der Fans gegen die deutschen Fußballer

Stefan Hermanns

Am Ende wurde ein bewährtes Vertragverhältnis in beiderseitigem Einverständnis aufgelöst. Die deutschen Nationalspieler verließen grußlos den Platz; es war der letzte Affront gegen die eigenen Fans, die Zuschauer nahmen ihn nur noch regungslos zur Kenntnis. Ein Abend der überzogenen Emotionen endete auf seltsam emotionslose Weise.

Während des Spiels hatten sich die Fans in Extase gegen die eigene Mannschaft gepfiffen. Eine derartig heftige Reaktion hatten die deutschen Spieler wohl nicht erwartet, nachdem sie in den vergangenen Monaten alle vertraglichen Pflichten gegenüber ihrem Publikum übererfüllt hatten. Trotzdem flatterte ihnen jetzt bei erstbester Gelegenheit das Kündigungsschreiben der Zuschauer ins Haus. „Diese Mannschaft hat keine Pfiffe verdient“, sagte Bundestrainer Joachim Löw. Diese Mannschaft nicht, aber das Spiel, das diese Mannschaft in München aufgeführt hatte.

Das Publikum bewertete nur den Moment, nicht die historischen Verdienste. Oder besser: Es bewertete den Moment vor dem Hintergrund der historischen Verdienste. Gerade der Kontrast zwischen den Fähigkeiten, die vor allem im Hinspiel gegen die Tschechen zu sehen waren, und der allgemeinen Unfähigkeit in München, erzürnte das Publikum. Können kann die Mannschaft ja, also muss sie nicht gewollt haben. Das moderne Fußballpublikum hat für diese Form der Verweigerung kein Verständnis. Man kann das geißeln, man kann sich aber auch fragen, ob Leute, die wie in München zehn Euro für einen Parkplatz am Stadion bezahlen müssen, nicht auch eine gewisse Gegenleistung erwarten dürfen.

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