Sport : Opfer des Systems

Warum Rob Friend auch ohne Tore für Hertha so wertvoll ist – Torwart Aerts fehlt in Paderborn

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Wechselhaft. Hertha-Stürmer Rob Friend verlässt den Platz. Foto: dpa Foto: dpa
Wechselhaft. Hertha-Stürmer Rob Friend verlässt den Platz. Foto: dpaFoto: dpa

Berlin - Es gibt zwei Dinge, auf die Rob Friend sich in den vergangenen Wochen stets verlassen konnte. Wenn zuletzt bei den Spielen von Hertha BSC eine Stunde um war, leuchtete auf der Tafel des vierten Offiziellen irgendwann die Nummer 16 auf, und Friend musste vorzeitig vom Feld. Genauso verlässlich folgten, spätestens am Tag danach, aufbauende Worte seines Trainers. Auch am vergangenen Wochenende widersprach Markus Babbel ganz entschieden der Ansicht, Friends Auswechslung sei als Strafe zu deuten. „Natürlich will jeder Stürmer Tore schießen“, sagte Babbel. „Aber Rob ist auch so wertvoll für uns.“ Er schaffe Räume, indem er zwei Gegenspieler binde, er spiele sie müde, und davon profitierten am Ende dann seine Kollegen.

Das ist schön für die Kollegen, aber Friend fände es vermutlich hilfreich, wenn es auch mal umgekehrt wäre. Fünf Pflichtspiele ist er nun schon ohne Tor, seit 390 Spielminuten hat er nicht mehr getroffen. Kann Friend diese Serie heute beim SC Paderborn (13.30 Uhr, live bei Sky) beenden? Das wäre wichtig für den Tabellenführer der Zweiten Liga, zumal dieser auf den angeschlagenen Torwart Maikel Aerts verzichten muss. Nach dem Abschlusstraining entschied Babbel, nur mit den Keepern Marco Sejna und Sascha Burchert nach Paderborn zu reisen.

„Wir spielen momentan nicht so, wie Rob es braucht“, sagt Babbel, „er mag es am liebsten, wenn scharfe, hohe Flanken in den Strafraum geschlagen werden.“ Aber die sind bei der derzeitigen Besetzung der Außenpositionen im Mittelfeld nur bedingt zu erwarten. Der Kanadier ist so etwas wie ein Opfer des Systems. Bei der Besetzung seiner Außenpositionen hat sich Babbel zumeist für die Variante entschieden, mit der die Bayern in der vergangenen Saison erfolgreich waren. Franck Ribéry und Arjen Robben spielten auf der jeweils falschen Seite: der Linksfuß rechts und der Rechtsfuß links. Bei einer solchen Besetzung werden die Außenspieler in der Regel versuchen, von der Seitenlinie kommend, nach innen einzuschwenken, um mit ihrem stärkeren Fuß selbst zum Abschluss zu kommen.

Kaum jemand hat das in der vergangenen Saison mit einer solchen Perfektion betrieben wie Arjen Robben. Babbel ließ rechts bis zu dessen Verletzung Nikita Rukavytsya spielen, einen Linksfuß, während die andere Seite von Adrian Ramos besetzt wurde. Der Kolumbianer ist ohnehin kein typischer Außenstürmer. Er kann diese Rolle auch spielen, heißt es immer, aber eigentlich sieht sich Ramos am liebsten im Strafraum. Ein Flankengott ist er jedenfalls nicht.

Einmal, beim FSV Frankfurt, hat Babbel seine Außenspieler die Seiten tauschen lassen. Es ist vermutlich kein Zufall, dass Friend in diesem Spiel seine letzten großen Chancen hatte. Nicht einmal drei Minuten waren vorüber, da stieß Rukavytsya bis zur Grundlinie vor und spielte den Ball scharf in die Mitte. Friend aber verfehlte knapp das Tor. „Wir wollten einfach mal was anderes machen“, hat Babbel seine Umstellung begründet.

Möglicherweise wird Friend sich auch bei den heimstarken Paderbornern aufreiben dürfen. Momentan spricht wenig dafür, dass Babbel sein System ändert. Möglich, dass Ronny, der vergangene Woche ein gutes Debüt in der Startelf gab, auf der rechten Seite eingesetzt wird. Mit seinem starken linken Fuß ist er geradezu prädestiniert dafür. Läufe bis auf die Grundlinie und Flanken für Friend sind eher nicht zu erwarten vom Brasilianer.

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