Sport : Oranje verblasst

Holland muss in die Relegation für die EM 2004

Egon Boesten

Amsterdam. Nach dem Schlusspfiff reifte eine desillusionierende Erkenntnis heran. „Wir sind eben doch nicht so gut, wie wir meinen“, stellten der frühere Nationaltorwart Hans van Breukelen, Europameister 1988, und Louis van Gaal, Ajax Amsterdams Trainer aus den Neunzigerjahren, übereinstimmend mit dem Fernsehkommentar fest. Hollands Fußball-Nationalmannschaft hatte da gerade ihr Qualifikationsspiel für die Europameisterschaft gegen Tschechien 1:3 (0:2) verloren – und schaut jetzt mit einigem Bangen auf die Relegation im November. Die linksliberale „Volkskrant“ titelte: „Oranje schießt sich selbst in den Fuß“.

Bei derartigen Niederlagen wird auch immer gleich die Frage diskutiert, ob denn der Trainer der richtige sei. Dick Advocaat stehen demnach schwere Zeiten bevor. Youri Mulder, nach seinem Abschied von Schalke 04 zu einem der angesehensten Fußball-Analytiker des niederländischen Fernsehens aufgestiegen, nahm als einer der ersten Maß. „Was soll das, wenn der Bondscoach nicht die Mannschaft aufstellt, die in der zweiten Halbzeit gegen Österreich gut gespielt hat, sondern die Mannschaft, die vorher schon nichts erreicht hat?“ Genereller Kritikpunkt von Mulder: „Mit Kluivert und van Nistelrooy - das geht schon seit Jahren nicht gut.“ Erschwerend kam für die Niederländer hinzu, dass Edgar Davids schon nach 13 Minuten mit der Gelb-Roten Karte vom Platz flog. Mit zehn gegen elf kam das Team zwar durch van der Vaart noch einmal auf 1:2 heran, aber mehr ging nicht.

„Wir müssen von unserer eigenen Stärke ausgehen. Es kann nicht sein, dass wir ängstlich darauf schauen, wie stark die Tschechen angeblich sind“, bemängelte Youri Mulder, Die Verbalattacken von ihm gegen den Bondscoach werden nicht die letzten sein. Denn die taktischen Winkelzüge vom kleinen General, wie Advocaat genannt wird, versteht kaum noch jemand. Die Niederlande haben auf europäischem Niveau zwar viele überdurchschnittliche Spieler (unter anderen van Nistelrooy, Kluivert, Makaay, van der Vaart), schaffen es aber nicht, daraus ein Nationalteam zu formen, das den hohen Erwartungen gerecht wird.

Am Tag danach mehrten sich die Stimmen, die unabhängig von den Play-offs im November einen Umbruch fordern. Louis van Gaal habe vor zwei Jahren doch Recht gehabt mit seiner Meinung, dass diese Generation der Oranje-Spieler nichts mehr bewegen könne. Symptomatisch war da die Auswechslung von Frank de Boer. Der Routinier vom FC Barcelona hatte in der zweiten Hälftet einfach „keine Lust mehr, Nedved hinterherzulaufen“, wie er vor laufenden Kameras sagte. Siegermentalität ist das nicht.

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