Sport : Organisation ist alles

Das deutsche Team erfüllt den defensiven Auftrag

Stefan Hermanns

Dortmund - So also sieht eine kompakte, gut gestaffelte Mannschaft aus: die Spieler nur so weit voneinander entfernt, dass sie sich notfalls an den Händen fassen könnten, nie die Ordnung verlierend, den Nebenmann stets im Blick. Man muss sagen, beim gemeinsamen Warmmachen vor dem Spiel gegen Polen überzeugten Deutschlands beste Fußballer schon einmal durch mannschaftliche Geschlossenheit. Auch nach dem Anpfiff waren die organisatorischen Verbesserungen im Defensivverbund klar zu erkennen. Im 29. Spiel unter Bundestrainer Jürgen Klinsmann blieb die deutsche Nationalmannschaft zum neunten Mal ohne Gegentor. „Wir haben das vier, fünf Tage trainiert“, sagte Torhüter Jens Lehmann.

Klinsmann und sein fußballtaktischer Berater Joachim Löw hatten in der ewigen Diskussion um die Defensivschwäche die eigentliche Abwehr immer wieder von der alleinigen Schuld freigesprochen. Die Defensive ist Sache der ganzen Mannschaft, und das notwendige Gefühl für die kollektive Verantwortung war gegen die Polen deutlich zu sehen. Als Philipp Lahm an der linken Seite von Jelen überlaufen wurde, klärte Christoph Metzelder. Die beiden äußeren Mittelfeldspieler Bernd Schneider und Bastian Schweinsteiger ließen sich anders als im Spiel gegen Costa Rica immer wieder zurückfallen, um der Viererkette zu helfen, Schneider grätschte sogar leidenschaftlich am eigenen Strafraum. Michael Ballack rückte bei Angriffen der Polen neben Torsten Frings vor die Viererkette. Weil das Mittelfeld den Polen wenig Zeit und Raum ließ, musste die Abwehr anders als gegen Costa Rica auch nicht zum letzten Mittel Abseitsfalle greifen, das im Eröffnungsspiel zweimal nicht funktioniert hatte.

In der Viererkette selbst hatte Klinsmann zum dritten Mal hintereinander dieselbe Besetzung aufgeboten. In seiner knapp zweijährigen Amtszeit hat es das nie zuvor gegeben, und möglicherweise war auch diese personelle Kontinuität ein Grund für die bessere Stabilität der Defensive. Zudem ließen sich die vier Abwehrspieler bei Ballbesitz der Polen weiter zurückfallen als sonst üblich, bei eigenen Angriffen aber rückten sie, wie gehabt, an die Mittellinie vor, um dem Prinzip der Vorwärtsverteidigung Geltung zu verschaffen.

Klinsmann hatte die heftige Defensivdiskussion nach dem 4:2 im Eröffnungsspiel ohnehin für „etwas übertrieben“ gehalten. Gegen Costa Rica habe es nur zwei Abwehrfehler gegeben – dummerweise führten sie beide zu Gegentoren. Mit zwei Pässen aus dem Mittelfeld konnten die Mittelamerikaner den deutschen Defensivverbund überwinden. Solche Situationen wusste die deutsche Mannschaft gestern erfolgreich zu verhindern. Musste einer der beiden Innenverteidiger vorrücken, ließ sich der zweite etwas zurückfallen, um bei einem Pass in die Spitze als eine Art Ausputzer aushelfen zu können. Die Idee, Jens Nowotny als Libero einzusetzen, ist damit erst einmal hinfällig.

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