Sport : Organisierte Kriminalität

Steffen Hudemann

Die Welt des Sports betrachtet sich gern als große Familie. Bei Verfehlungen verhalten sich die Verbände leider häufig auch so. Besonders wenn es um Doping geht, fühlt man sich oft an den dänischen Film „Das Fest“ erinnert. Dort kommt während der Geburtstagsfeier heraus, dass der Jubilar jahrelang seine Kinder missbraucht hat. Die Verwandtschaft ignoriert diese Tatsache und feiert munter weiter. Auch im Sport gilt das Prinzip: Das Fest muss weiter gehen – möglichst ohne Schönheitsflecken.

Doch selbst, wenn die Verbände mit dem Thema offensiver umgehen würden, wären sie auf den Staat angewiesen. Denn das wahre Ausmaß des Dopingsumpfes kommt nur ans Tageslicht, wenn die Staatsanwaltschaften tätig werden. Teilweise ähneln die Strukturen der Sportbetrüger denen der organisierten Kriminalität. Und die muss man mit Hausdurchsuchungen und Haftbefehlen bekämpfen, nicht mit Appellen an die Fairness. Welche Erfolge der Staat erreichen kann, haben die Skandale um das Balco-Labor in den USA und um die österreichischen Biathleten bei den Olympischen Winterspielen in Turin gezeigt.

Auch in Deutschland hat der Staat in der Affäre Hoyzer vorgemacht, wie es gehen kann. Durch die Zusammenarbeit zwischen der Staatsanwaltschaft und dem Deutschen Fußball-Bund konnte der Schiedsrichterskandal aufgeklärt werden. Dass der Staat in diesem Fall überhaupt tätig werden durfte, lag daran, dass Wettbetrug vorlag. Wäre es allein um den Betrug am Sport gegangen, wäre der Verband auf sich allein gestellt gewesen. Der Gesetzgeber muss ein Strafgesetz gegen Sportbetrug schaffen, wie es Juristen gestern auf einer Tagung in Berlin forderten. Nicht um den Anabolika schluckenden Bodybuilder zu kriminalisieren, sondern um mafiöse Strukturen aufzudecken. Auf die Selbstreinigungskraft des Sports sollte der Staat nicht vertrauen.

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