ORTSTERMIN mit Fifa-Präsident Joseph Blatter : Chefsache Frauen?

Ungleiches Paar: OK-Chefin Steffi Jones und Fifa-Chef Joseph Blatter. Viel zu sagen hatten sich die beiden bei dem Termin in Berlin nicht.
Ungleiches Paar: OK-Chefin Steffi Jones und Fifa-Chef Joseph Blatter. Viel zu sagen hatten sich die beiden bei dem Termin in...Foto: AFP

Es gibt Aussagen, die entlarven, ohne dass der Urheber es merkt. Joseph Blatter ist darin ein Meister. Der Präsident des Weltfußballverbandes Fifa war zur Eröffnung der Frauen-WM nach Berlin gereist und betonte am Sonnabend die Wichtigkeit dieses Turniers. Dann allerdings verstrickte sich der 75-Jährige in eine krude Erklärung, warum man die Nachwuchsarbeit im Frauenfußball verbessern müsse. „Ab einem gewissen Alter haben Frauen eine andere Aufgabe“, sagte Blatter. „Ich will da jetzt nicht konkret werden, aber... Sonst gibt es irgendwann keine kleinen Fußballerinnen mehr.“ Das sollte jemand mal der Marathon-Läuferin Paula Radcliff erzählen, die im Vorjahr ihr zweites Kind bekommen hat und trotzdem als Favoritin für die Olympischen Spiele 2012 gilt. Oder der Tennisspielerin Kim Clijsters, die nach der Geburt ihrer Tochter drei Grand-Slam-Titel gewann. Der Fifa-Präsident legte erneut ein antiquiertes Frauenbild offen, das weder in eine moderne Gesellschaft noch zu einer WM passt, die den Aufbruch im Frauenfußball signalisieren soll.

Immerhin gab es beim Eröffnungsspiel im Olympiastadion nicht die erwarteten Pfiffe gegen Joseph Blatter – weil OK-Chefin Steffi Jones ihn gar nicht erst namentlich vorstellte. Dabei versucht sich Blatter seit einigen Jahren als Förderer des Frauenfußballs zu inszenieren. In Berlin gelang ihm das kaum. „Als ich 1995 gesagt habe, dass die Zukunft des Fußballs weiblich ist, habe ich das selbst nicht geglaubt“, sagte er und wirkte so, als würde er das noch immer nicht tun. Doch Blatter hat sogar Veränderungen vor. Er wolle sich für eine Frau im Exekutivkomitee einsetzen und für höhere WM-Prämien. Bei dieser WM schüttet die Fifa 7,6 Millionen US-Dollar aus. „Ich war selbst überrascht, als ich gehört habe, wie wenig es ist“, sagte Blatter. Es war wieder einer dieser Sätze, die sein wahres Interesse veranschaulichten. Anke Myrrhe

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