Ortstermin mit Witali Klitschko : Schlagen für die Integration

Witali Klitschko besucht einen Berliner Boxklub, der Kindern und Jugendlichen Hilfestellung geben will.

Mattis Nothacker
Klitschko besucht den Boxklub Isigym und hat eine Botschaft dabei.
Klitschko besucht den Boxklub Isigym und hat eine Botschaft dabei.Foto: null

Es liegt eine Anspannung in der Luft, wie man sie gewöhnlich kennt, wenn etwas Großes bevorsteht. In der Halle des Isigym-Boxklubs an der Potsdamer Straße werden die letzten Vorbereitungen getroffen – gleich trifft hier Witali Klitschko ein. Klitschko ist Politiker und Bürgermeister von Kiew, bekannt ist er hier aber allen als Box-Ikone, als mehrfacher Schwergewichtsweltmeister und K.-o.-König.

Wann genau Klitschko an diesem Dienstag aber nun kommt, weiß keiner so genau. Etwa zehn Jugendliche sitzen in Boxkleidung auf einer Bank und warten auf ihr Idol. Izzet Mafratoglu, Trainer und Gründer des Klubs, rennt umher. Die Mitarbeiter der Stiftung Berliner Leben, die den Boxklub fördert, sprechen über Klitschkos mögliche Ankunftszeit:. „Erst hieß es 11.40 Uhr, dann 11.20 Uhr, zwischendurch sollte er schon um elf kommen.“

Doch dann ist Klitschko plötzlich da, begleitet von Rainer Bomba. Der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium und Klitschko treffen sich in Berlin, um sich über die Themen Verkehr und Infrastruktur auszutauschen. Und zwischen Terminen im Ministerium und Gesprächen mit den Berliner Verkehrsbetrieben kehrt er dahin zurück, wo er sich augenscheinlich am wohlsten fühlt: in der Boxhalle.

Boxer mit Botschaft

Klitschko nähert sich den sitzenden Jugendlichen, er lächelt sie an, die einen klatscht er ab, den anderen hält er seine Faust hin. Es geht nach oben in die zweite Etage. Als sonst keiner das Wort ergreift, tut es Klitschko selber. Er richtet sich an die Jugendlichen: „Als Kind habe ich einmal mit meinen Freunden einen Kampf von Mike Tyson gesehen, in dem er seinen Gegner K.o. schlug und den WM-Titel gewann. Als ich meinen Freunden sagte, dass ich den WM-Titel einmal selber holen würde, lachten sie mich aus.“ Seine Botschaft: „Haltet immer an euren Träumen fest.“

Danach ist Trainer Mafratoglu dran, er spricht von Isigym und dass einem seiner Schüler in 4,5 Sekunden mal ein K.o. gelungen sei, dass sein Klub in acht Jahren 18 Goldmedaillen gewonnen habe. Vor allem aber, dass es in seinem Boxklub um bestimmte Werte geht. „Nicht der Kampf, sondern der Charakter zeichnet die Menschen aus“, sagt Mafratoglu. Im Isigym gibt es Regeln: Schau demjenigen, mit dem du redest, in die Augen. Nehme eine leicht gebeugte Haltung ein, wenn du vor einem Älteren stehst.

"Ich habe nie auf der Straße gekämpft"

Der Verein, der 2005 mit Unterstützung der Wohnungsbau-Gesellschaft Gewobag ins Leben gerufen wurde, sieht sich auf privater Ebene als Hilfesteller für die Kinder und Jugendlichen, vermittelt Nachhilfe und versucht, die Jugendlichen von den schlechten Seiten der Straße abzuhalten: von Drogen, von unkontrollierter Gewalt. Ihre boxerischen Fähigkeiten sollen sie nicht auf der Straße missbrauchen, „das ist ein Zeichen von innerer Schwäche“, sagt Mafratoglu. Klitschko stimmt ihm zu: „In meiner ganzen Profikarriere habe ich nie auf der Straße gekämpft.“

Zum Schluss noch ein paar Fotos. Klitschko ist „Hobbyfotograf“, sagt er. Er weiß, wo der beste Ort zum Knipsen ist. Mafratoglu rennt weg, um Licht anzumachen. „Gute Laune zeigen!“, fordert Klitschko, „denkt ihr, Boxer müssen immer ernst gucken?“ Dann erwischt es ihn selber. „Klitschko, ein Lächeln!“, ruft eine Fotografin. Die Jugendlichen legen derweil ihre Ehrfurcht vor dem zwei Meter großen Ex-Boxer ab. „Ich brauche noch ein persönliches Foto“, sagt einer der jungen Männer. „Damit ich es ihm in zehn Jahren zeigen kann.“

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