Ortstermin : Steinmeier jubelt bei Tagesspiegel und 11 Freunde

Er trank ein Bier und jubelte ausgelassen und entspannt. Bundesaußenminister war zu Gast im EM-Quartier in Treptow und nahm im Fanblock Platz.

Christian Tretbar
Prost
Prost, Minister! Steinmeier plauderte im EM-Quartier mit den Fans.Foto: dpa

Auf ein wichtiges Accessoire hat Frank-Walter Steinmeier diesmal verzichtet. Die schwarz-rot-goldene Krawatte, die er noch im Ernst-Happel-Stadion beim Spiel Deutschland gegen Österreich trug, blieb diesmal zu Hause. Dafür kam der Bundesaußenminister im blitzeblanken weißen Hemd, die oberen Knöpfe lässig geöffnet, ins EM-Quartier von 11 Freunde und Tagesspiegel nach Treptow in den  „Fuhrpark“. Er war nur einer von 1500 Fans, die dort am Mittwochabend den Finaleinzug der deutschen Mannschaft verfolgten. Aber einer der begehrtesten. Hier ein Small Talk, dort ein Bild und etliche Autogramme. Vor allem bei den türkischen Fans war der Außenminister sehr gefragt. Immer wieder musste er mit deutscher und türkischer Flagge posieren. Das Spiel verfolgte er dann umrahmt von Tagesspiegel-Autor Moritz Rinke und Schauspieler Aydan Maral.

Für Stimmung sorgten aber vor allem die rund 200 türkischen Fans. Sie postierten sich vor der Bühne, in der Menge und am Rand. Ausgerüstet mit Megafon und überdimensionaler Türkeifahne, in die sie sich wie in einen Kokon hüllten, sangen sie ihre und auch die deutsche Nationalhymne mit. Dafür gab es Sonderapplaus der deutschen Fans. Danach war aber erst mal Schluss mit lustig. Schnell war klar, dass die Türken vielleicht mehr Spaß an der Partie haben könnten. Beim 1:0 war der Jubel der türkischen Fans ohrenbetäubend. Die deutschen Fans standen dem aber beim 1:1 in nichts nach. Mittlerweile hatten sich auch deutsche Fans in den türkischen Kokon geschlichen und so wurde gemeinsam gefeiert – und gelitten. Vor allem als das Bild aus Basel ausfiel. Nach einigen Pfiffen übernahmen die deutschen Fans die Regie und sangen lauthals: „DeutSCHLAND, DeutSCHLAND“. Am größten war aber der Jubel als das Bild zurückkehrte, der Ton dagegen ausblieb. „Besser geht’s eigentlich nicht“, sagten viele. ZDF-Kommentator Béla Réthy genoss offensichtlich keine großen Sympathien.

Doch selbst als der wieder seinen Senf zum Spiel dazu gab, war das egal. Das Spiel war zu spannend, um auf Réthy zu hören. Erst stimmten einige deutsche Fans den berühmten „Finale“-Choral an, als Klose zum 2:1 köpfte. Dafür gab es Gemecker aus den eigenen Reihen. „Ihr kennt doch die Türken“ riefen einige. Und klar, sie behielten recht. Wieder lauter Jubel vor der Bühne nach Semihs 2:2. Und wieder schimpften alle: auf Lehmann, auf die Verteidiger, auf Ballack, wer halt so gerade am Ball war – doch dann kam Philipp Lahm. Dieses Dribbling, dieser Pass von Hitzlsperger, dieses Tor. Diese Erlösung. Der Jubel war grenzenlos. Vor der Bühne und im türkischen Flaggenkokon flossen ein paar Tränen. Bei aller turkodeutschen Verbundenheit: Halbfinalaus ist eben Mist. Sie schwenkten trotzdem die deutsche Flagge und man zog gemeinsam zum Feiern nach Kreuzberg. Bis auf einige wenige, die den letzten Auftritt von Jürgen Klopp im ZDF verfolgten. Jetzt, wo man schon mal wieder ein Bild hatte.

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