Osaka : Hammerwerferin Heidler holt Gold

Bei der Leichtathletik-WM in Osaka hat Hammerwerferin Betty Heidler die zweite Goldmedaille für das deutsche Team gewonnen. Die Stabhochspringer haben ebenfalls eine Medaille anvisiert. Die Qualifikation haben alle drei erfolgreich gemeistert.

Ralf Jarkowski,Ulrike John[dpa]
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Der Hammer. Betty Heidler ist Weltmeisterin. -Foto: dpa

OsakaDas ist der Hammer! Nach der Punktlandung bei 74,76 Meter waren vier Kilo Eisen für Betty Heidler Gold wert. Die 23 Jahre alte Bundespolizistin aus Frankfurt am Main bescherte der deutschen Leichtathletik den ersten Hammerwurf-Titel bei Weltmeisterschaften seit der Premiere vor acht Jahren. "Heute ist mein Glückstag", sagte die gebürtige Berlinerin in Osaka nach ihrem Zittersieg mit Daumenbreite vor Pechmarie Yipsi Moreno aus Kuba (74,74). Zu den ersten Gratulanten im Nagai-Stadion gehörte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit.

"Es war sehr eng, aber Glück muss man auch mal haben", sagte Heidler, die einst aus Langeweile zur Leichtathletik gekommen und nur zufällig beim Hammerwerfen gelandet war. Genau 24 Stunden nach dem goldenen Diskus-Hit von Franka Dietzsch war damit bereits die deutsche Bilanz von Paris 2003 und Helsinki 2005 getoppt. Kugelstoßerin Nadine Kleinert hatte zuvor noch Bronze, Diskus-Recke Robert Harting Silber erkämpft. "Das ist ein Glückstag für die Berliner Leichtathletik, aber auch ein Glückstag für die WM-Gastgeberstadt Berlin", sagte Wowereit. Bis zum 18. Lebensjahr lebte Heidler in Berlin, wo 2009 die 12. Weltmeisterschaften stattfinden.

Stabhochsprung-Trio weiter

Das deutsche Stabhochsprung-Trio überstand unterdessen die gefürchtete Qualifikation ohne einen Absturz. "Endlich stehen wieder mal drei Deutsche im Finale", meinte Tim Lobinger (Köln). "Ich denke, wir können uns am Sonnabend gegenseitig so unterstützen, dass eine Medaille herausspringt." Danny Ecker (Leverkusen) und Björn Otto (Uerdingen/Dormagen) überwanden wie Lobinger sicher die 5,70 Meter.

Überhaupt nicht in Tritt kam Vize-Europameister Thomas Blaschek. Der Leipziger wollte unbedingt ins Finale über 110 Meter Hürden, hinkte aber als Letzter seines Halbfinallaufes in 13,77 Sekunden hinterher. Ebenso enttäuscht war 10.000-Meter-Europameister Jan Fitschen (Wattenscheid), dem im halb so langen WM-Halbfinale gegen die übermächtigen Afrikaner erwartungsgemäß die Puste ausging: "Nach drei Kilometern war der Ofen aus."

Einen Tag nach seiner persönlichen Bestleistung (8,19 Meter) musste sich Weitspringer Christian Reif vom ABC Ludwigshafen mit 7,95 zufrieden geben - über Platz neun kann der WM-Debütant aber nicht meckern. In einem packenden Finale segelte Irving Saladino zunächst 8,46 Meter weit, Italiens Europameister Andrew Howe konterte im letzten Durchgang und sprang einen Zentimeter weiter. Doch Saladino legte alles in den letzten Sprung: Als "8,57" auf der Anzeigetafel aufleuchtete, kannte seine Freude keine Grenzen - die erste WM-Medaille für Panama.

Gay siegt auch über die 200 Meter

Tyson Gay fehlt inzwischen nur noch ein kollektiver Kraftakt bis zum zweiten Sprint-Triple der WM-Geschichte: Der Weltmeister über 100 Meter siegte in 19,76 Sekunden auch auf der doppelten Distanz und kann seine Gala am Samstag mit dem US-Quartett über 4 x 100 Meter krönen - so spektakulär, wie es bisher nur seinem Landsmann Maurice Greene 1999 in Sevilla gelang.

Im Finale über 400 Meter Hürden der Frauen entthronte die Australierin Jana Rawlison in 53,31 Sekunden Titelverteidigerin Julia Petschonkina (Russland/53,50) und holte sich ihr zweites Gold nach dem Titelgewinn 2003. 60.000 US-Dollar für den WM-Titel strichen auch Betty Heidler und Saladino ein, Gay hat schon 120.000 verdient.

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