Ostdeutsche Klubs : Im Tal der Titellosen

Um die ostdeutschen Sportvereine ist es insgesamt schlecht bestellt. Sie leiden unter fehlenden Sponsoren – und immer noch unter den Auswirkungen der DDR-Sportpolitik.

Johanna Behre
Empor abwärts: Die Handballer von Empor Rostock (v. l.: Frank-Michael Wahl, Jürgen Rohde, Siegfried Sanftleben und Michael Blank) gewannen 1982 den Europapokal der Pokalsieger. Heute spielt Empor in der Zweiten Liga.Weitere Bilder anzeigen
Foto: Imago
11.07.2013 12:54Empor abwärts: Die Handballer von Empor Rostock (v. l.: Frank-Michael Wahl, Jürgen Rohde, Siegfried Sanftleben und Michael Blank)...

Es hätte auch schlimmer kommen können für Sachsen. Im Gegensatz zu Sachsen-Anhalt ging 2012 immerhin eine Deutsche Meisterschaft an den Freistaat – und zwar an die Sitzballer der SG Leipzig Plauen. Während sich in Berlin diverse Titelträger tummeln und sich der Großteil der Gewinner ansonsten auf den Westen Deutschlands verteilt, sieht es in den neuen Bundesländern ziemlich mau aus, wenn man nach Titeln im Mannschaftssport des vergangen Jahres schaut.

Karsten Döring ist Präsident des 2000 gegründeten Thüringer HC. Der Frauen-Handball-Bundesligist hat dieses Jahr zum dritten Mal in Folge die deutsche Meisterschaft gewonnen, Döring nennt ihn das „Flaggschiff des thüringischen Mannschaftssports“, aber auch einen Ausreißer. „Wir spielen in der Spitze. Danach kommt lange nichts.“ Manche Klubs müssen sogar Insolvenz beantragen, so wie kürzlich der Frankfurter HC, der Deutsche Meister von 2004. Schuld daran seien die „materiellen Gegebenheiten", erklärt Döring und meint damit die schwierige Finanzsituation vieler Vereine im Osten. Den Erfolg des Thüringer HC führt er nicht zuletzt darauf zurück, dass die Region den Sport unterstütze, auch finanziell. „Würde sich unser Budget ausschließlich aus staatlichen Fördertöpfen zusammensetzen, wir würden nicht einmal eine Woche überleben“, mutmaßt Döring.

Die Mannschaftssportarten in Deutschland finanzieren sich größtenteils durch private Sponsoren. Dabei scheint es einen Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Leistungskraft des Standortes und sportlichem Erfolg zu geben. In entsprechenden Bundesländerrankings belegen die neuen Bundesländer die hinteren, Bayern und Baden-Württemberg die vorderen Plätze. Abgesehen von Nordrhein-Westfalen und Berlin geht die Formel „wirtschaftlicher Wohlstand gleich sportlicher Erfolg“ also auf.

Grafik: Tsp/Klöpfel

Zwar sind auch in den neuen Bundesländern finanzstarke Unternehmen und damit potenzielle Sponsoren vorhanden. Davon merken die meisten Vereine jedoch recht wenig. Michael Eisel, Präsident des Zweitligisten VC Bitterfeld-Wolfen, kann ein Lied davon singen. Obwohl die Volleyballer die Saison auf dem vierten Tabellenplatz beendet haben, käme ein Aufstieg unter den derzeitigen Voraussetzungen nicht in Frage. „Wir könnten es uns schlichtweg nicht leisten.“ Für den Aufstieg in die Bundesliga müsste Bitterfeld-Wolfen hauptamtliche Mitarbeiter einstellen, für die der Verein gegenwärtig kein Geld hat – und das trotz eines Industrie-Parks mit mehr als 60 Firmen vor der Haustür. Die direkte Ligakonkurrenz aus Schöneiche hat für die bevorstehende Saison keine Lizenz beantragt, „aus wirtschaftlichen Gründen“, wie es auf der Vereinshomepage heißt.

Thomas Popiesch, Eishockey-Trainer der Dresdener Eislöwen, vermutet, dass der SED-„Leistungssportbeschluss“ von 1969 immer noch nachwirkt. Ausgewählte Disziplinen wurden im Hinblick auf die Olympischen Spiele 1972 in München besonders gefördert, Eishockey und Basketball, als „amerikanische“ Sportarten in der Öffentlichkeit ohnehin weniger präsent, verschwanden dagegen in der Versenkung. Nach der Wiedervereinigung hätten sich viele Vereine mit der neuen Situation außerdem schwer getan: „Es gab zu viel Geld, aber keine Lernphase, damit richtig umzugehen.“

Im Osten geht die Sonne unter
Empor abwärts: Die Handballer von Empor Rostock (v. l.: Frank-Michael Wahl, Jürgen Rohde, Siegfried Sanftleben und Michael Blank) gewannen 1982 den Europapokal der Pokalsieger. Heute spielt Empor in der Zweiten Liga.Weitere Bilder anzeigen
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