Sport : Ottkes Plan

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Michael Rosentritt über

das Karriereende eines BoxWeltmeisters

Neulich hat Sven Ottke erzählt, dass er sich jeden Tag für seine Familie eine neue Ausrede einfallen lassen müsse, warum er eigentlich noch boxt. Er ist jetzt 36 Jahre alt, er ist seit fünf Jahren Weltmeister, hat 18 Mal in Folge seinen Titel erfolgreich verteidigt und ist mehrfacher Millionär geworden. Seine Familie drängelt – die Frau, die Angst hat, dass ihm etwas passiert, will einen heilen Mann behalten, die Kinder, die genug von den vielen Entbehrungen haben, fordern einfach mehr Zeit von ihrem Vater. Trotzdem wird Sven Ottke heute seinen 20. Titelkampf bestreiten. In Erfurt boxt er gegen den Dänen Mads Larsen. Findet der ehemalige Amateur aus Überzeugung, der, der eigentlich nie Profi werden wollte, plötzlich kein Ende mehr? Ist es das Geld, was es zu verdienen gibt, gibt es noch sportliche Reize, oder ist es doch ganz anders? Hat Ottke ganz heimlich für sich einen durchdachten Plan?

22 Jahre steht Sven Ottke im Boxring. Als Amateur hat er vieles erreicht, als Profi so gut wie alles. Im Oktober 1998 schlug er den Amerikaner Charles Brewer und wurde Weltmeister im Super-Mittelgewicht. Im März diesen Jahres bezwang er den Amerikaner Byron Mitchell, den Weltmeister eines Konkurrenzverbandes. Seit kurzem wird er als Super-WBA- und IBF-Champion geführt. In seiner Gewichtsklasse darf ihm eine Ausnahmestellung bescheinigt werden wie Henry Maske vor zehn Jahren im Halbschwergewicht. Ähnlich wie der ostdeutsche Maske hat es der westdeutsche Ottke zu einem gesamtdeutschen Helden gebracht. Und ähnlich wie Maske darf man Ottke zutrauen, dass er den richtigen Zeitpunkt zum Abtreten nicht verpasst.

Und er wird es doch anders machen. Maske hatte seinen letzten Kampf langfristig geplant und sich mehr auf seinen Abgang samt Liedchen (Time to say good bye) konzentriert denn auf seinen Gegner. Maske verlor seinen letzten Kampf. Ottke hat ihn noch vor sich. Vielleicht beim nächsten oder übernächsten Mal. Dann wird er sich im Ring das Saalmikrofon geben lassen und sagen: Danke, Leute. Das war es jetzt. Es wäre schade, wenn er dafür erst eine Niederlage bräuchte.

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