Sport : Ottmar Hitzfeld: Der Lehrer

Detlef Dresslein

Der Druck war sichtbar. Er stand ihm ins Gesicht geschrieben, heißt es dann oft ein wenig schräg. Bei Ottmar Hitzfeld traf das fast zu im Spiel gegen Real Madrid. Konzentriert blickte er mit leicht nach innen gewölbter Mundpartie aufs Spielfeld, öffnete nur ab zu die Lippen. Wie, als wollte er Druck nach außen abgeben. Manchmal muss er die Hölle sein, dieser unlogische Fußball, für ihn, den Mathematiklehrer, den Pragmatiker. Und wie befreit wirkte er nach dem Sieg, dem Einzug ins Finale der Champions League, der dann doch wieder so logisch war, der die verdiente Konsequenz einer überlegten und letztlich überlegenen Taktik war, erzielt über die spielerisch doch so viel besseren Spanier. Seitdem lacht er viel. Mehr als sonst. Der Druck, Meister werden zu müssen, den FC Schalke 04 noch abfangen und dazu heute erst einmal den 1. FC Kaiserslautern schlagen zu müssen, scheint nun nicht mehr ganz so groß.

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Tipp-Spiel: Wer wird Deutscher Meister? Der Druck hat den Erfolgstrainer Ottmar Hitzfeld schon mal krank gemacht. Die letzten Jahre in Dortmund, immerhin gekrönt vom Sieg in der Champions League 1997, hatten ihn zermürbt. Der Erfolgszwang, der ständige Machtkampf mit den millionenteuren Stars war zu viel. Fahl und mager stand er am Spielfeldrand, verschnürt im Trenchcoat. "Früher konnte ich nicht schlafen, wenn ich einem Spieler sagen musste, dass er nicht spielen darf", erinnert er sich. Bei den Bayern hat er das damals Gelernte umgesetzt, hier gibt es die Rotation, und die ganz großen Nummern haben Respekt.

"Ich habe einige Trainer erlebt", sagte etwa Stefan Effenberg erst gestern wieder, "aber keiner schaffte es so perfekt, Nationalspieler und Stars unter einen Hut zu bringen. Es gibt keine Unruhe mehr, er ist ein Trainer mit perfektem taktischen Wissen. Für mich der beste der Welt." Ein Lob, dass die oberste Leitung von Borussia Dortmund immer noch schlucken lässt. Sie lösten den damaligen Konflikt auf, indem sie Hitzfeld auf den Posten des Sportdirektors weglobten, und ihn 1998 schließlich nach München ziehen ließen. Das es die bessere Variante gewesen wäre, Hitzfeld einen Umbau des Teams durchführen zu lassen, wissen sie heute nur zu gut. In München machte er nahtlos weiter. Wurde im ersten Jahr Deutscher Meister, wurde im zweiten Jahr Deutscher Meister und steht in seinem dritten Jahr wieder vor der Meisterschaft und obendrein auch vor der Vollendung dessen, was ihm in der Nachspielzeit des Finales von 1999 knapp entging: der Triumph in der Champions League.

Dabei passt er eigentlich gar nicht zum Big-Brother-Club Bayern. Hier gibt es nichts, was nicht von mindestens fünf Kameras aufgezeichnet wird. Doch mittendrin hat der stille Hitzfeld alles in der Hand. Ein Mensch, der sich als gläubig beschreibt, der im Wald spazieren geht, weil ihn die Farbe grün beruhigt, der Tannen mag, "weil ihre Zweige so schön übereinander stehen. Als wolle einer den anderen beschützen".

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