Sport : Otto Rehhagel, der II.

Trainer Thomas Schaaf hat sich in Bremen etabliert und steht vor der Vertragsverlängerung

Frank Heike

Hamburg. Es gibt da diesen einen Punkt im Lebenslauf von Thomas Schaaf, der einfach nicht in die Vita des Trainers von Werder Bremen passt. Ansonsten stimmt nämlich alles: zuerst Jugendspieler beim SV Werder, dann von 1979 bis 1994 Profi beim SV Werder, dann Trainer der A-Jugend des SV Werder, dann Trainer der Amateure des SV Werder und jetzt, seit inzwischen viereinhalb Jahren, Trainer der Profis. Wenn Thomas Schaaf, der 42 Jahre alte Fußball-Lehrer, noch seinen Geburtsort nachträglich ändern könnte, hätte er tatsächlich sein ganzes bisheriges Leben im Schatten der Stadtmusikanten verbracht. Doch geboren ist und bleibt Schaaf in Mannheim.

Aber Otto Rehhagel, dem sie auf dem Bremer Marktplatz tatsächlich ein gar nicht so kleines Denkmal gesetzt haben, war ja ursprünglich auch kein Bremer. 14 Jahre trainierte der gelernte Anstreicher aus Essen die Grünweißen. Dass Schaaf nach Zeiten des steten Wechsels auf der Bremer Bank (De Mos, Dörner, Sidka, Magath) mittlerweile auf Rehhagels Spuren wandelt, ist für viele im Umfeld des Bundesligaklubs eindeutig. Nur für Schaaf selbst nicht. Auf die zwischen ein paar ganz harmlose Anmerkungen zum Bundesligabetrieb einigermaßen geschickt versteckte Frage: „Schaaf, der neue Rehhagel?“, antwortete der gut gelaunte, manchmal urkomische Mann vor ein paar Wochen breit grinsend und den Kopf schüttelnd: „Sie kriegen mich nicht, denn manchmal bin ich auch schlagfertig.“

Dafür kriegt Werder Bremen ihn nun wohl für noch etwas länger. Der neue Kontrakt liegt schon unterschriftsreif vor. In dieser Woche möchte Schaaf signieren. Der Bremer Vorstandschef Jürgen L. Born sagt: „Es gibt für ihn noch einiges zu tun bei uns.“

Nur Schaaf traut man in Bremen zu, auch nach den Abgängen von Ailton und Krstajic zum FC Schalke 04 in der kommenden Serie wieder eine so starke Mannschaft zu formen wie derzeit. Denn Schaaf musste in den vergangenen beiden Jahren schon Pizarro, Eilts, Frings, Rost und Bode gehen lassen. Sie alle waren Stützen der Werder-Gesellschaft; immer kamen andere und füllten ihre Rollen aus. Dank Schaaf und dank der klugen Einkaufspolitik des Vorstandsmitglieds Klaus Allofs.

Dem Tabellenzweiten wird nachgesagt, er spiele derzeit den attraktivsten Fußball der Liga. Und hätte es nicht diese grausamen Rückserien 2001 und 2002 gegeben, würde Schaaf wohl längst zu den Toptrainern der Liga gezählt werden. Doch diese Einbrüche, die Werder in die Nähe der Abstiegsränge gebracht hatten und sogar manche Stimme im Aufsichtsrat gegen Schaaf laut werden ließen, sind die Flecken auf der Trainerweste des Thomas Schaaf. „Man hat damals nach einem Opfer gelechzt“, sagt er. Zwar erreichte der SV Werder dann doch noch passable Platzierungen, doch Fans und auch Verantwortliche reagieren nun einmal höchst beleidigt, wenn einmal geweckte Ansprüche nicht erfüllt werden. Auch deswegen sind Schaaf und Allofs immer so vorsichtig beim Formulieren der Ziele für die laufende Saison. Von der Meisterschaft zu sprechen erscheint gerade Schaaf unangebracht. Nach dem 1:1 beim Hamburger SV am Samstag hob er lieber den Unterhaltungswert der Partie hervor, als über möglicherweise verschenkte Punkte zu lamentieren. „Wir können nun mal nicht davon ausgehen, dass wir immerzu auswärts gewinnen“, stellte er lakonisch fest.

Denn für Thomas Schaaf gibt es zwischen Schwarz und Weiß (ein beliebtes Bild seiner selten vorkommenden und meist eher sanft vorgetragenen Journalistenschelte: „Ich mag diese Schwarzweißmalerei nicht“) sehr viele Graustufen. Nicht jede Niederlage ist gleich immer als Katastrophe zu werten, und nicht jeder Sieg ist ein Triumph, will er damit sagen.

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