Otto Rehhagel : Ein demokratischer Diktator für Hertha

Am Sonntag wurde Otto Rehhagel offiziell als neuer Cheftrainer bei Hertha BSC vorgestellt. Er soll den Verein in der Liga halten. Michael Preetz hat mit dem 73-Jährigen erstmals einen autoritären Trainer neben sich - geht das gut?

Im Vordergrund: Bei seiner Präsentation blickten natürlich alle auf Otto Rehhagel. Doch wie wird sich die Wahrnehmung der beiden Führungspersönlichkeiten Rehhagel und Preetz bei Hertha BSC im Kampf um den Klassenerhalt entwickeln? Foto: rtr
Im Vordergrund: Bei seiner Präsentation blickten natürlich alle auf Otto Rehhagel. Doch wie wird sich die Wahrnehmung der beiden...Foto: rtr

Streng genommen hat Otto Rehhagel gleich bei seiner ersten Amtshandlung für Hertha BSC eine strikte preußische Tugend nicht eingehalten: Um 13.09 Uhr, also neun Minuten später als geplant, erschien er am Sonntag zu seiner offiziellen Präsentation als neuer Cheftrainer beim krisengeschüttelten Bundesliga-Aufsteiger. Mit markigen Worten hatte Otto Rehhagel sein Engagement bei Hertha BSC via „Bild am Sonntag“ angekündigt. Er sei ab Montag Tag und Nacht für Hertha da - „und zwar immer pünktlich. Ich bin ein Vorreiter und erwarte Ordnung und Disziplin. Ich bin ein Preuße. Oder auch ein demokratischer Diktator.“

Auf der Pressekonferenz am Sonntag schlug er einen moderateren Ton an. „Hertha ist ein besonderer Reiz für mich“, sagte er bei seiner Präsentation, bei der über 15 Kamerateams und mehr als 50 Journalisten anwesend waren. „Ich habe mal von einem Künstler gehört: Ein Leben ist viel zu kurz“, sagte er weiter. „So lange ich lebe, will ich Spannung haben. Ich fühle mich gesund und fit. Deshalb habe ich es auch gemacht. Ich habe hier früher gespielt, es ist ein besonderer Ort. Ich will, dass Berlin in der Bundesliga bleibt.“ Und deshalb habe er auch nur eine Nacht über das Angebot von Hertha BSC nachgedacht; dann habe er nach Rücksprache mit seiner Frau gesagt: Okay, drei Monate - das machst Du.„ Rehhagel sieht sich als “Spiritus rector„, als führender Geist, der immer noch fit sei für die Anforderungen an einen Bundesligatrainer und auch von den jungen Trainerkollegen Rene Tretschok und Ante Covic, die mit ihm zusammen die Profi-Mannschaft betreuen werden, etwas lernen könne. Aber selbstverständlich machte er auch klar: Sie können auch von mir was lernen.

Herthas Manager Michael Preetz hat mit der Verpflichtung Rehhagels in der Hauptstadt alle überrascht - und nicht ganz ohne stolz in der Stimme sagte er am Samstag nach der 0:1 (0:0)-Niederlage gegen Borussia Dortmund zu einem “Bild„-Reporter: “Sie habe ja alle möglichen Trainer ins Spiel gebracht. Aber auf Rehhagel sind sie nicht gekommen.„ Dabei lag nicht nur die “Bild„-Zeitung mit ihren Spekulationen daneben. Auf Rehhagel war im gesamten Berliner Blätterwald niemand gekommen. Vor über zwölf Jahren hatte er zuletzt eine Bundesligamannschaft, den 1. FC Kaiserslautern, trainiert. Im Jahr 2001 übernahm Rehhagel die Nationalmannschaft Griechenlands - und feierte mit ihr 2004 den Gewinn der Europameisterschaft.

Es wirkte so, als hätte Rehhagel das Bundesliga-Geschäft hinter sich gelassen. Was die Verpflichtung Rehhagels zudem als “Transfercoup„ erscheinen ließ, war die Tatsache, dass Preetz bislang eher unscheinbare Lösungen und keine selbst ernannten Diktatoren präsentiert. Trainer vom Schlage eines Friedhelm Funkel oder Michael Skibbe eben.

“Wir brauchen jemanden, an dem sich die Spieler aufrichten können„, begründete Preetz am Samstag die Entscheidung. Der Respekt vor dem Trainer-Urgestein scheint jedenfalls groß. Eine “Ehre„ sei es, mit diesem Mann zusammenzuarbeiten“, sagten sowohl Tretschok als auch Stürmer Pierre-Michel Lasogga.

Nun hat Rehhagel zwölf Spiele Zeit, die Berliner vorm erneuten Abstieg zu retten. „Und sollten wir es nicht schaffen, dann hat es eben nicht gereicht“, sagte Rehhagel. Ob er Angst um seine Reputation bei einem Scheitern seiner dreimonatigen Mission habe, wurde er am Ende noch gefragt. „Die kann mir niemand nehmen. Alles was ich gewonnen habe, können Sie mir doch nicht mehr wegnehmen.“ Michael Preetz muss bei diesen Worten wohl zumindest ein kleiner Schauer den Rücken herunter gelaufen sein. Hängt doch vom Klassenerhalt nicht nur das Schicksal der Berliner Hertha ab, sondern auch sein eigenes. Anmerken ließ sich Preetz jedoch nichts. (dapd)

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